Spielstile · Analyse

Abseits und Abseitsfalle: die Abseitsregel einfach erklärt

Abseits einfach erklärt: wann ein Spieler laut Regel 11 im Abseits steht, wann es strafbar ist und wie eine Abwehr die Abseitsfalle stellt. Mit Geschichte.

Diagramm eines Spielfelds: Eine Viererkette steht auf einer rot gestrichelten Abseitslinie, zwei Angreifer warten knapp dahinter, und ein Pass aus dem Mittelfeld zielt zwischen die Verteidiger.
Bild: Touchline Notes

Ein Spieler wird wegen Abseits bestraft, wenn er beim Abspiel eines Mitspielers in der gegnerischen Hälfte der Torlinie näher ist als Ball und vorletzter Gegenspieler und dann aktiv ins Spiel eingreift. Die Abseitsfalle nutzt genau diese Regel: Die Abwehrreihe rückt gemeinsam vor und lässt die Angreifer im Abseits stehen.

Die Regel prägt, wie jede Mannschaft angreift und verteidigt. Ohne sie könnten Stürmer neben dem Torwart warten. Mit ihr bestimmt die Höhe der Abwehrlinie, wie viel Raum hinter der Kette liegt und wie weit die ganze Mannschaft aufrücken kann.

Die Abseitsregel einfach erklärt

Abseits ist in Regel 11 der Fußballregeln festgelegt, die das International Football Association Board (IFAB) herausgibt. Die offizielle deutsche Fassung unterscheidet zwei Dinge: die Abseitsstellung und das Abseitsvergehen.

  • Die Abseitsstellung: Ein Spieler steht im Abseits, wenn er mit irgendeinem Teil von Kopf, Rumpf oder Beinen in der gegnerischen Hälfte ist und der gegnerischen Torlinie näher als der Ball und der vorletzte Gegenspieler. Meist ist der Torwart einer der beiden letzten Gegenspieler.
  • Arme zählen nicht: Laut Regel 11 werden Hände und Arme aller Spieler, auch der Torhüter, nicht berücksichtigt.
  • Gleiche Höhe ist kein Abseits: Wer auf derselben Höhe steht wie der vorletzte Gegenspieler oder die letzten beiden Gegenspieler, ist nicht in einer Abseitsstellung.
  • Die eigene Hälfte ist sicher: Die Mittellinie zählt dabei nicht zur gegnerischen Hälfte.

Abseitsstellung allein ist noch nicht strafbar. Bestraft wird ein Spieler erst, wenn er zum Zeitpunkt des Abspiels im Abseits stand und danach aktiv am Spiel teilnimmt. Das tut er, wenn er den Ball spielt oder berührt, wenn er einen Gegner beeinflusst oder wenn er sich einen Vorteil verschafft, nachdem der Ball von Pfosten, Latte, einem Spieloffiziellen oder einem Gegner abgeprallt ist oder nach einer absichtlichen Torverhinderungsaktion des Gegners zu ihm kommt.

Es gibt Ausnahmen. Kein Abseits gibt es, wenn ein Spieler den Ball direkt nach Abstoß, Einwurf oder Eckstoß erhält. Spielt ein Gegner den Ball absichtlich, verschafft sich der Angreifer daraus ebenfalls keinen Vorteil im Sinne der Regel, außer es war eine absichtliche Torverhinderungsaktion, etwa eine Parade. Die Strafe für ein Abseitsvergehen ist ein indirekter Freistoß für die verteidigende Mannschaft.

Wie sich die Regel entwickelt hat

Die Abseitsregel stammt aus dem Rugby, dem Vorgänger des Fußballs. Laut der deutschsprachigen Wikipedia waren mit der ersten offiziellen Regel von 1863 nur Pässe nach hinten erlaubt. Von 1866 bis 1925 stand ein Angreifer nicht im Abseits, wenn mindestens drei Verteidiger zwischen ihm und der Torlinie standen. 1925 wurden die Kernelemente der heutigen Regel festgelegt. Seit 1907 kann man in der eigenen Hälfte nicht im Abseits stehen, seit 1920 nicht mehr nach einem Einwurf.

1990 folgte eine wichtige Änderung zugunsten der Stürmer: Gleiche Höhe ist seitdem kein Abseits mehr. Heute entscheiden Kameras mit. Seit der Saison 2022/23 wird in einigen internationalen Wettbewerben die halbautomatische Abseitserkennung eingesetzt, mit Kameras unter dem Stadiondach und einem Sensor im Ball. Laut FIFA soll sie die Zeit bis zur Entscheidung von im Schnitt 70 Sekunden auf 15 bis 25 Sekunden senken können.

Die Abseitsfalle

Die Abseitsfalle macht aus der Regel eine Waffe. Die deutschsprachige Wikipedia beschreibt sie so: Unmittelbar bevor ein Angreifer angespielt wird, rücken die Verteidiger gegen die Angriffsrichtung vor. Wer eben noch korrekt stand, ist im Moment des Passes plötzlich im Abseits.

Dafür braucht es drei Dinge:

  • Eine Linie, die sich gemeinsam bewegt: Bleibt ein Verteidiger stehen, hebt er das Abseits für alle auf. Meist geben die Innenverteidiger das Kommando.
  • Ein Auslöser: Die Kette rückt vor, wenn der Ballführende den Kopf senkt oder kurz vor dem Pass ist, nicht danach.
  • Druck auf den Ball: Ein Passgeber mit Zeit kann den Laufweg abwarten, ein bedrängter nicht.

Wikipedia nennt die Abseitsfalle eine der schwierigsten Defensivtaktiken im modernen Fußball. Perfektioniert hätten sie in den 1970er-Jahren vor allem Ajax Amsterdam sowie die niederländische und die belgische Nationalmannschaft, also in der Zeit des totalen Fußballs.

Warum die Viererkette in Deutschland spät kam

In Deutschland kam die Viererkette, die Grundlage einer Abseitsfalle, erst spät. Ralf Rangnick beschrieb 2013 beim Internationalen Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer, wie fest das alte System saß. Seit dem WM-Titel 1974 wurde überall im 3-5-2 mit Libero, zwei Manndeckern und klarer Mannorientierung gespielt. Das System blieb bis 1990, und auch den EM-Titel 1996 holte Deutschland aus einer 3-5-2-Ordnung. Der Libero stand hinter der Abwehr und sicherte die Tiefe ab. Eine gemeinsam vorrückende Linie passt schlecht zu diesem System.

Im Ausland lief es laut Rangnick anders: In Italien setzte Arrigo Sacchi früh auf Raumdeckung. In Deutschland waren Ende der 1990er-Jahre nur drei oder vier der 36 Profiklubs mit Viererkette und Raumdeckung vertraut, darunter Ulm, der HSV, Mönchengladbach und Mainz. Erst im Jahr 2000 fand der Übergang zur Raumdeckung statt. Ohne Libero dahinter kann eine Abwehrlinie in der ganzen Breite gemeinsam vorrücken. Auch der italienische Catenaccio arbeitete mit Libero: Laut Wikipedia stand die Mannschaft tief in der eigenen Hälfte und setzte auf schnelle Konter.

Warum Mannschaften sie nutzen

Eine hohe Linie mit Abseitsfalle verkleinert das Spielfeld. Die gegnerischen Stürmer können nicht hinter der Abwehr lauern, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen werden kleiner, und das Pressing greift besser, weil weniger Raum zum Durchspielen bleibt. Die Viererkette soll das abseitsfreie Spielfeld möglichst klein halten, so Wikipedia. Der Gegner braucht dann schnelles und genaues Passspiel in die Schnittstellen der Kette. Damit ist die Abseitsfalle der natürliche Partner des Gegenpressings.

Die Risiken

Wenn die Falle schiefgeht, dann richtig. Wikipedia fasst das nüchtern zusammen: Kommt nicht jeder Verteidiger rechtzeitig am Gegenspieler vorbei, läuft der Angreifer frei aufs Tor. Außerdem muss der Schiedsrichter das Abseits erkennen. Darum brauchen hoch verteidigende Teams einen Torwart, der hinter der Kette mitspielt, also die Aufgabe, die früher der Libero hatte, und schnelle Innenverteidiger, die zurücksprinten können.

Die Technik hat den Einsatz erhöht. Mit Videobeweis und halbautomatischer Erkennung werden kleinste Abstände genau geprüft. Eine Linie, die einen Wimpernschlag zu spät vorrückt, wird verlässlicher bestraft. Eine Falle, die um wenige Zentimeter gelingt, zählt aber auch.

Woran man eine Abseitsfalle im Spiel erkennt

Schau auf die Abwehrlinie, nicht auf den Ball. Bekommt der gegnerische Spielmacher den Ball mit Blick nach vorn, rückt eine Mannschaft mit Abseitsfalle geschlossen vor. Oft hebt dabei ein Innenverteidiger den Arm oder ruft ein Kommando. Zähl, wie oft in der ersten Halbzeit die Fahne des Assistenten hochgeht: Viele Abseitsstellungen sind meist ein Zeichen für eine bewusste Falle, nicht für Pech der Stürmer. Mehr über die Rollen in der Abwehr findest du bei den Positionen im Fußball und beim Außenverteidiger.

Wann ist Abseits im Fußball?

Ein Spieler steht im Abseits, wenn er beim Abspiel eines Mitspielers in der gegnerischen Hälfte der Torlinie näher ist als Ball und vorletzter Gegenspieler. Bestraft wird das erst, wenn er dann aktiv ins Spiel eingreift. Gleiche Höhe ist kein Abseits.

Gibt es Abseits beim Einwurf oder Abstoß?

Nein. Laut Regel 11 liegt kein Abseitsvergehen vor, wenn ein Spieler den Ball direkt nach einem Abstoß, einem Einwurf oder einem Eckstoß erhält.

Zählen Arme beim Abseits?

Nein. Entscheidend sind Kopf, Rumpf und Beine. Regel 11 sagt ausdrücklich, dass Hände und Arme aller Spieler, auch der Torhüter, nicht berücksichtigt werden.

Was ist eine Abseitsfalle?

Die Abseitsfalle ist eine Abwehrtaktik, bei der die Abwehrreihe kurz vor einem Pass des Gegners gemeinsam vorrückt. Die Angreifer stehen dann im Moment des Abspiels im Abseits.

Probiere eine hohe Viererkette auf der Taktiktafel aus.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Regel 11 – Abseits — IFAB
  2. Abseitsfalle — Wikipedia
  3. Abseitsregel — Wikipedia
  4. Schnelles Umschaltspiel – von Abwehr auf Angriff und von Angriff auf Abwehr (Ralf Rangnick, ITK 2013) — Bund Deutscher Fußball-Lehrer
  5. Catenaccio — Wikipedia