Formationen und Rollen · Analyse

Positionen im Fußball: jede Position, ihre Nummer und ihre Aufgaben

Torwart, Innenverteidiger, Sechser, Achter, Zehner, Neuner: alle Positionen im Fußball mit Rückennummer, Aufgaben und dem Unterschied zur Rolle.

Ein Fußballfeld mit elf nummerierten Spielern im 4-3-3: Torwart 1, Außenverteidiger 2 und 3, Innenverteidiger 4 und 5, Mittelfeldspieler 6, 8 und 10, Flügelspieler 7 und 11, Mittelstürmer 9.
Bild: Touchline Notes

Eine Fußballmannschaft besteht aus elf Spielern in vier Mannschaftsteilen: Torwart, Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Die Position beschreibt, wo ein Spieler steht und welche Aufgaben dieser Raum verlangt; die Rückennummern 1 bis 11 sind die alte Kurzschrift dafür.

Die Fußballregeln legen nur wenig fest. Laut Regel 3 des IFAB spielt jede Mannschaft mit höchstens elf Spielern, einer davon muss Torwart sein, und ein Spiel darf nicht beginnen oder fortgesetzt werden, wenn ein Team weniger als sieben Spieler hat. Wie viele Verteidiger, Mittelfeldspieler und Stürmer auf dem Platz stehen, entscheidet der Trainer. Deshalb lassen sich dieselben elf Positionen als 4-3-3, 4-2-3-1, 3-5-2 oder 4-4-2 anordnen.

Alle Positionen im Überblick

Im deutschen Sprachraum heißen einige Positionen schlicht nach ihrer Nummer. Die Tabelle folgt der heute verbreiteten Zählung für eine Viererkette mit drei zentralen Mittelfeldspielern.

Nr. Position Hauptaufgabe
1 Torwart Hält Schüsse, ordnet die Abwehr, eröffnet das Spiel
2 Rechtsverteidiger Verteidigt die rechte Seite, schaltet sich in den Angriff ein
3 Linksverteidiger Dasselbe auf links
4 und 5 Innenverteidiger Verteidigen das Zentrum vor dem Tor, gewinnen Kopfbälle, eröffnen den Spielaufbau
6 Sechser (defensives Mittelfeld) Sichert vor der Abwehr ab, erobert Bälle, verteilt das Spiel
8 Achter (zentrales Mittelfeld) Verbindet Abwehr und Angriff, arbeitet in beide Richtungen
10 Zehner (offensives Mittelfeld) Spielt zwischen den gegnerischen Linien, bereitet Tore vor
7 und 11 Flügelspieler (Rechtsaußen, Linksaußen) Greifen über die Flügel an, flanken oder ziehen nach innen
9 Neuner (Mittelstürmer) Schließt ab, bindet die Innenverteidiger, macht Bälle fest

Die Zahlen sind eine Konvention, keine Regel. In der Bundesliga gab es bis einschließlich 1994/95 keine festen Rückennummern; seitdem gehört eine Nummer einem Spieler für die ganze Saison. Ein Sechser trägt deshalb nicht zwingend die 6.

Torwart (1)

Der Torwart ist der einzige Spieler, der den Ball absichtlich mit der Hand spielen darf, und das nur im eigenen Strafraum. In der Regel trägt die Nummer eins die 1. Im Deutschen gibt es viele Wörter für ihn: Torwart, Torhüter, Tormann, Schlussmann, Keeper. Der Duden führt „Goalie“ als besonders österreichisch und schweizerisch.

Das Halten von Schüssen bleibt der Kern der Aufgabe. Moderne Torhüter haben den Ball aber deutlich öfter am Fuß. Sie sind die erste Station im Spielaufbau, und bei hoch stehender Abwehr sichern sie den Raum hinter der Kette ab. Das war früher die Arbeit des Liberos.

Abwehr (2 bis 5)

Innenverteidiger spielen in der Viererkette zu zweit, in einer Dreierkette zu dritt. Sie verteidigen den Raum direkt vor dem Tor, klären Flanken und lange Bälle und entscheiden, wann die Kette herausrückt oder fallen lässt. Gemessen werden sie heute auch am Aufbauspiel: Ein Innenverteidiger, der die erste Pressinglinie mit einem Pass oder einem Andribbeln überspielt, entlastet sein ganzes Mittelfeld.

Außenverteidiger spielen links und rechts neben den Innenverteidigern. Defensiv sollen sie Flügelspieler und Flanken stoppen, offensiv hängt ihr Auftrag vom System ab. Manche hinterlaufen an der Seitenlinie, manche bleiben hinten, manche rücken im Ballbesitz ins Zentrum ein: der inverse Außenverteidiger. In einer Dreierkette übernehmen meist Flügelverteidiger die ganze Außenbahn allein.

Mittelfeld (6, 8 und 10)

Der Sechser steht vor der Abwehr. Der Name kommt von der Rückennummer 6, die defensive Mittelfeldspieler früher trugen. Er schließt Passwege ins Zentrum, erobert Bälle und hält das Spiel in Bewegung. Fällt er im Aufbau zwischen die Innenverteidiger, spricht man oft von einer „Holding Six“. Spielen zwei Sechser nebeneinander, heißt das Doppelsechs. Ist der tiefste Mittelfeldspieler vor allem Taktgeber, nennt der italienische Fußball ihn Regista.

Der Achter ist das Bindeglied zwischen Sechser und Zehner, die Schaltstelle zwischen Abwehr und Angriff. Er holt sich Bälle von den Verteidigern, trägt sie nach vorn und arbeitet nach Ballverlust zurück. Das verlangt viel Laufarbeit. Achter, die in einem Dreiermittelfeld Richtung Flügel und Halbraum ausweichen, heißen in Italien Mezzala.

Der Zehner ist der klassische Spielmacher. Er spielt im Raum zwischen gegnerischem Mittelfeld und Abwehr, bereitet Tore vor und schließt selbst ab. Besonders wertvoll ist das Zentrum direkt vor dem Strafraum, in der Analyse Zone 14 genannt. Günter Netzer und Wolfgang Overath gelten als die großen deutschen Spielmacher ihrer Zeit. In vielen neueren Systemen fehlt der klassische Zehner allerdings: Die Kreativität verteilt sich auf mehrere Mittelfeldspieler.

Angriff (7, 9 und 11)

Flügelspieler besetzen die Außenbahnen im Angriff. Der klassische Außenstürmer bleibt auf der Seite seines starken Fußes und flankt. Ein invertierter Flügelspieler spielt auf der Gegenseite und zieht nach innen, um zu schießen oder den letzten Pass zu spielen.

Der Neuner ist der vorderste Angreifer und der wichtigste Torschütze. Er bindet die Innenverteidiger, verwertet Chancen und macht mit dem Rücken zum Tor Bälle fest, bis Mitspieler nachrücken. Ein Mittelstürmer, der sich ins Mittelfeld fallen lässt, statt vorn zu bleiben, ist eine falsche Neun. Zieht er sich dauerhaft hinter den vordersten Angreifer zurück, spricht man von einer hängenden Spitze.

Warum Deutschland in Nummern spricht

Rückennummern sind älter als die meisten heutigen Positionen. In England wurden sie am 25. August 1928 erstmals getragen, vergeben nach Feldposition im damaligen 2-3-5. Im deutschen Fußball kamen sie erst zur Saison 1948/49.

Prägend war das WM-System von Herbert Chapman, mit dem Deutschland 1954 Weltmeister wurde. Seine deutschen Positionsnamen klingen heute altmodisch: zwei Verteidiger, ein Mittelläufer, zwei Außenläufer, zwei Halbstürmer, zwei Außenstürmer und ein Mittelstürmer. Der Mittelläufer trug die 5. Diese Nummer wanderte später zum Libero, der sie traditionell bis in die 1990er-Jahre trug. Vor ihm stand der Vorstopper, der den gegnerischen Mittelstürmer in Manndeckung nahm. Mit der Einführung der Viererkette in den 1990er-Jahren verschwand die Positionsbezeichnung.

Aus dieser Zählung stammen die Wörter, die deutsche Trainer und Kommentatoren täglich benutzen: Sechser, Achter, Zehner, Neuner. Andere Fußballkulturen sagen „defensive midfielder“ oder „mediocentro“; im Deutschen genügt die Zahl. Breit bekannt wurde das Vokabular durch das Fernsehen. Laut Süddeutscher Zeitung erklärte Jürgen Klopp als TV-Experte bei der WM 2006 einem großen Publikum Begriffe wie „Doppel-Sechs“ und „flache Vier“. Acht Jahre zuvor galt Deutschland noch als Land der Vorstopper und Liberos.

Wichtig für Leser internationaler Texte: Die Zahlen bedeuten nicht überall dasselbe. In England ist die 5 traditionell ein Innenverteidiger, weil der Mittelläufer im WM-System in die Abwehr zurückfiel. In Argentinien und Brasilien steht die 5 dagegen für den zentralen defensiven Mittelfeldspieler, also für das, was in Deutschland der Sechser ist.

Position ist nicht Rolle

Die Position sagt, wo ein Spieler startet. Die Rolle sagt, was er von dort aus tut. Zwei Linksverteidiger im selben 4-3-3 können völlig verschieden spielen: Der eine hinterläuft den Flügelspieler, der andere rückt neben den Sechser ein. Ein Neuner kann vorn bleiben oder als falsche Neun zurückfallen; ein Innenverteidiger kann in der Kette bleiben oder als freier Mann herausrücken. Deshalb erklärt diese Seite die klassischen Rollen einzeln, vom Libero bis zum Regista. Und deshalb sieht dieselbe Mannschaft mit Ball anders aus als ohne, wenn sie ihre Restverteidigung organisieren muss.

Wer verstehen will, wie Positionen zusammenwirken, sollte sie selbst verschieben. Ein 4-3-3 auf die Taktiktafel stellen, die Außenverteidiger hochschieben und den Sechser zwischen die Innenverteidiger fallen lassen: Die elf Positionen bleiben gleich, aber die Mannschaft baut jetzt mit drei Spielern hinten auf.

Welche Positionen gibt es im Fußball?

Im verbreiteten 4-3-3 sind es Torwart, Rechtsverteidiger, Linksverteidiger, zwei Innenverteidiger, Sechser, Achter, Zehner, Rechtsaußen, Linksaußen und Mittelstürmer. Andere Systeme tauschen einige davon aus. Ein 3-5-2 nutzt drei Innenverteidiger und zwei Flügelverteidiger, ein 4-4-2 zwei Stürmer und zwei äußere Mittelfeldspieler.

Was ist der Unterschied zwischen Sechser, Achter und Zehner?

Alle drei sind zentrale Mittelfeldspieler, aber auf verschiedenen Höhen. Der Sechser sichert vor der Abwehr ab, der Achter verbindet Abwehr und Angriff, der Zehner spielt als Spielmacher hinter den Spitzen. Die Namen stammen von den Rückennummern, die diese Spieler früher trugen.

Warum heißt der Mittelstürmer Neuner?

Im alten 2-3-5 und im WM-System trug der Mittelstürmer die Nummer 9. Der Begriff „klassischer Neuner“ blieb, auch als feste Rückennummern ab Mitte der 1990er-Jahre die Bindung an die Position lösten. Heute steht er für einen Strafraumstürmer, der vorn bleibt.

Welche Nummer hatte der Libero?

Traditionell die 5, bis in die 1990er-Jahre hinein. Die Nummer stammt vom Mittelläufer des WM-Systems. Mit der Viererkette verschwanden Libero und Vorstopper aus dem Profifußball.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Mittelfeldspieler — Wikipedia (de)
  2. Rückennummer — Wikipedia (de)
  3. Libero — Wikipedia (de)
  4. Vorstopper — Wikipedia (de)
  5. Law 3 – The Players — IFAB