Formationen und Rollen · Analyse
Außenverteidiger: der Abwehrspieler, der die ganze Seite beackert
Was macht ein Außenverteidiger? Aufgaben mit und ohne Ball, Hinterlaufen, die Nummern 2 und 3, Typen von Vogts bis Lahm und der Flügelverteidiger.
Der Außenverteidiger ist der Abwehrspieler, der rechts oder links neben den Innenverteidigern spielt. Er verteidigt die Außenbahn gegen Flügelspieler und Flanken und schaltet sich im Ballbesitz über dieselbe Seite in den Angriff ein.
Je nach Seite heißt er Rechtsverteidiger oder Linksverteidiger, in Trainerkreisen oft kurz AV. In der klassischen Zählung trägt der Rechtsverteidiger die 2 und der Linksverteidiger die 3, wie die Übersicht der Positionen im Fußball zeigt. Die deutsche Wikipedia zählt die Position zu den laufintensivsten im modernen Fußball, weil sie von der eigenen Abwehrreihe bis zur gegnerischen Grundlinie reicht.
Was ein Außenverteidiger ohne Ball macht
Gegen den Ball hat der Außenverteidiger zwei Aufgaben. Die erste ist das Duell mit dem gegnerischen Flügelspieler. Er soll ihn nach außen lenken, Flanken und seitliche Hereingaben verhindern und nicht vorschnell in den Zweikampf gehen. Ein ausgespielter Außenverteidiger öffnet den Weg in den Strafraum.
Die zweite Aufgabe ist die Kette. Der Außenverteidiger schiebt mit dem Innenverteidiger neben ihm hoch und lässt sich mit ihm fallen. Rückt der Innenverteidiger heraus, sichert er ab oder rückt nach innen ein, um die Lücke zu schließen. Ist der Ball auf der anderen Seite, wird er zum zusätzlichen Innenverteidiger und deckt den langen Pfosten.
Presst die Mannschaft hoch, läuft der Außenverteidiger oft den gegnerischen Außenverteidiger an. Dann bleibt hinter ihm viel Raum, und nach einem Ballverlust entscheidet sein Sprint zurück über viele Konter. Schnelligkeit und Ausdauer sind deshalb genauso wichtig wie Zweikampfstärke.
Was ein Außenverteidiger mit Ball macht
Im Spielaufbau ist der Außenverteidiger oft die erste Anspielstation neben den Innenverteidigern. Er gibt dem Spiel Breite, und von ihm hängt ab, wie weit der Flügelspieler vor ihm nach innen ziehen kann.
- Hinterlaufen: Der Außenverteidiger läuft außen am eigenen Flügelspieler vorbei. Der Flügelspieler kann ihn anspielen oder den Lauf nutzen, um selbst nach innen zu ziehen. Soccerdrills.de nennt das Hinterlaufen eine der wichtigsten Aufgaben, weil niemand seine Mitspieler so oft hinterläuft wie der Außenverteidiger.
- Der Lauf nach innen: Bleibt der Flügelspieler an der Linie, startet der Außenverteidiger innen an ihm vorbei in den Halbraum zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger. Im Englischen heißt das Underlap.
- Der letzte Ball: Flanken, Rückpässe an die Strafraumgrenze und Seitenverlagerungen. Über Hinterlaufen und Flanke entsteht eine Überzahl auf dem Flügel, zwei Angreifer gegen einen Verteidiger.
Laut Wikipedia stehen Außenverteidiger im Aufbau manchmal höher als Mittelfeldspieler und bereiten mehr Tore vor als defensive Mittelfeldspieler.
Vom Spielverderber zum Angreifer: die deutsche Geschichte
Im 2-3-5-System gab es nur zwei Verteidiger. Sie trugen die 2 und die 3, und aus ihnen wurden die heutigen Außenverteidiger, als die Abwehr breiter wurde. Lange war ihr Auftrag schlicht. Soccerdrills.de beschreibt Jupp Posipal, Verteidiger der Nationalmannschaft von 1954, als Spieler, der nichts durfte außer verteidigen. Karl-Heinz Schnellinger ging in den 1960er-Jahren schon häufiger nach vorn.
Die WM 1974 zeigt beide Seiten der Position in einem Finale. Rechts spielte Berti Vogts, der „Terrier“, ein zweikampfstarker Manndecker. Er bekam die Aufgabe, Johan Cruyff zu bewachen. Links spielte Paul Breitner als offensiver Außenverteidiger, der sich mit Läufen über den Flügel ins Angriffsspiel einschaltete. Er verwandelte im Finale gegen die Niederlande einen Foulelfmeter zum 1:1. Später schulte ihn Real Madrid zum Mittelfeldspieler um.
Manfred Kaltz wurde durch seine Bananenflanken berühmt. Andreas Brehme spielte als linker Außenverteidiger und war beidfüßig. Im WM-Finale 1990 in Rom verwandelte er fünf Minuten vor Schluss den entscheidenden Elfmeter gegen Argentinien, mit dem rechten Fuß.
Typen von Außenverteidigern, mit deutschen Beispielen
Der defensive Außenverteidiger bleibt hinten und überlässt die Außenbahn dem Flügelspieler. Vogts ist das deutsche Muster: 419 Bundesligaspiele für Gladbach, keine Rote Karte.
Der offensive Außenverteidiger beackert die ganze Seite in beide Richtungen und ist eine Hauptquelle für Flanken. Breitner und Kaltz stehen für diesen Typ.
Der beidseitige Außenverteidiger kann rechts und links spielen. Der Trainerblog von fussball-training.org nennt solche Spieler selten und das Spiel auf beiden Seiten eine Königsdisziplin. Philipp Lahm ist das Beispiel. Er begann beim FC Bayern links und spielte später meist rechts. Mit 1,70 Metern lebte er von Stellungsspiel und Zweikampfstärke. Bei der WM 2006 traf er im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica, 2014 wurde er als Kapitän Weltmeister.
Der inverse Außenverteidiger rückt im Ballbesitz ins Zentrum ein, statt die Linie entlangzulaufen. Pep Guardiola setzte das bei Bayern mit Lahm und David Alaba um und stellte Lahm schließlich ins defensive Mittelfeld. Joshua Kimmich übernahm 2017/18 Lahms Platz als Rechtsverteidiger. Bei der EM 2016 und der WM 2018 spielte er für Deutschland rechts hinten, unter Niko Kovač dann zunehmend auf der Sechs.
Außenverteidiger oder Flügelverteidiger?
Der Flügelverteidiger ist eine offensivere Variante. Er spielt vor einer Dreierkette, etwa im 3-5-2, und besetzt die Außenbahn allein. Weil drei Innenverteidiger hinter ihm stehen, startet er höher. Der Außenverteidiger in der Viererkette teilt sich die Seite dagegen mit einem Flügelspieler oder äußeren Mittelfeldspieler vor ihm und einem Innenverteidiger neben ihm.
Zwei Außenverteidiger, zwei Aufgaben
Viele Mannschaften verteilen die Rollen unterschiedlich. Geht der eine nach vorn, bleibt der andere bei den Innenverteidigern. So stehen bei eigenem Angriff drei Spieler in der Restverteidigung. Die Wahl hängt oft vom Flügelspieler ab: Zieht er nach innen, ist die Linie frei zum Hinterlaufen. Bleibt er breit, passt eher der Lauf nach innen oder ein inverser Außenverteidiger.
Im 4-3-3 kommt die Breite oft von den Außenverteidigern, weil das Mittelfeld eng spielt. Im 4-4-2 haben sie mit dem äußeren Mittelfeldspieler einen festen Partner auf der Seite. Im 4-2-3-1 sichert die Doppelsechs ab, wenn beide gleichzeitig aufrücken.
Woran man die Außenverteidiger im Spiel erkennt
Am besten schaut man hin, wenn ein Innenverteidiger den Ball hat. Läuft ein Außenverteidiger die Linie hoch und bleibt der andere auf Höhe der Innenverteidiger, spielt die Mannschaft asymmetrisch. Geht ein Außenverteidiger nach innen neben den Sechser, ist er ein inverser Außenverteidiger. Dann lohnt der Blick nach vorn: Wer läuft außen am Flügelspieler vorbei, und wer innen?
Was macht ein Außenverteidiger im Fußball?
Ein Außenverteidiger spielt rechts oder links in der Viererkette. Er verteidigt gegen Flügelspieler und verhindert Flanken. Im Ballbesitz unterstützt er den Angriff über seine Seite mit Hinterlaufen, Flanken und Pässen.
Welche Nummer hat ein Außenverteidiger?
Klassisch trägt der Rechtsverteidiger die 2 und der Linksverteidiger die 3. Die Nummern stammen aus dem 2-3-5-System, in dem 2 und 3 die beiden Verteidiger waren. Heute sind Rückennummern frei gewählt.
Was ist der Unterschied zwischen Außenverteidiger und Flügelverteidiger?
Der Außenverteidiger spielt in einer Viererkette, mit einem Innenverteidiger neben sich und einem Flügelspieler vor sich. Der Flügelverteidiger spielt vor einer Dreierkette und besetzt die ganze Seite allein. Er steht deshalb meist höher und greift mehr an.
Was bedeutet Hinterlaufen im Fußball?
Beim Hinterlaufen läuft ein Spieler außen an dem Mitspieler vorbei, der den Ball hat. Meist ist es der Außenverteidiger, der seinen Flügelspieler hinterläuft. So entstehen auf dem Flügel zwei Angreifer gegen einen Verteidiger, oft mit Flanke oder Rückpass als Abschluss.
Quellen und weiterführende Informationen
- Außenverteidiger — Wikipedia (de)
- Der Außenverteidiger im Fußball — Soccerdrills
- Paul Breitner — Wikipedia (de)
- Philipp Lahm — Wikipedia (de)
- Außenverteidiger (AV) im Fußball: Position und Verhalten — fussball-training.org