Formationen und Rollen · Analyse
Drei im Mittelfeld, drei im Sturm: Warum sich das 4-3-3 durchgesetzt hat
Das 4-3-3 nutzt vier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler und drei Angreifer. Wie der Sechser, die Achter und die Flügelstürmer zusammenwirken.
Das 4-3-3 ist ein Spielsystem mit vier Verteidigern, drei zentralen Mittelfeldspielern und drei Angreifern: zwei Flügelstürmern links und rechts eines Mittelstürmers. Auf dem Papier ist es die offensivste der gängigen Grundordnungen. In der Praxis liegt sein eigentlicher Vorteil in der Mitte des Feldes, wo drei Mittelfeldspieler den zweien überlegen sind, die ein 4-4-2 oder die Basis eines 4-2-3-1 aufbieten kann.
Entstanden ist die Ordnung aus dem 4-2-4. Brasilien gewann die Weltmeisterschaften 1958 und 1962 nominell mit vier Stürmern, doch der Linksaußen Mário Zagallo ließ sich immer wieder ins Mittelfeld fallen, und was die Mannschaft tatsächlich spielte, kam einem 4-3-3 nahe. Rinus Michels machte es in den 1970er-Jahren zur Grundlage von Ajax und der niederländischen Nationalelf, wo die ständigen Positionswechsel als „Totaler Fußball“ bekannt wurden. Pep Guardiolas Barcelona zwischen 2008 und 2012 und Jürgen Klopps Liverpool, das 2019 die Champions League und 2020 die Premier League gewann, sind die modernen Bezugspunkte. Beide nutzten dieselben Zahlen für sehr unterschiedlichen Fußball, und das ist das Erste, was man über jede Formation wissen muss: Sie benennt Ausgangspositionen, keinen Stil.
Sechser und Achter im Dreiermittelfeld
Das Dreiermittelfeld besteht meist aus einem tieferen Spieler und zweien davor. Der tiefe, der alleinige Sechser, schirmt die Innenverteidiger ab und bietet sich im Spielaufbau für den ersten Pass an. Die beiden Achter spielen davor und seitlich versetzt, in den Halbräumen oder in ihrer Nähe. Oft ist einer von ihnen ein Läufer, der im Strafraum auftaucht, und der andere ein Passgeber, und in Italien hat die Variante, die es nach außen zieht, einen eigenen Namen: die Mezzala. Das Dreieck lässt sich auch umdrehen, mit zwei Sechsern und einem Zehner, und dann ist die Ordnung eigentlich ein 4-2-3-1.
Wie die Angreifer das System prägen
Die Dreierreihe vorne entscheidet, um was für ein 4-3-3 es sich handelt. Bei Barcelona blieben die Flügelstürmer hoch und breit, um die Viererkette auseinanderzuziehen, was Raum für die Mittelfeldspieler öffnete und für eine falsche Neun, die sich aus der Spitze fallen ließ. Bei Liverpool war es umgekehrt: Mohamed Salah und Sadio Mané spielten eng und tornah, und die Breite kam von den Außenverteidigern Trent Alexander-Arnold und Andy Robertson, die am Ende zu den wichtigsten Vorbereitern der Mannschaft gehörten. So oder so gilt das Prinzip, dass fünf Korridore über die Breite des Feldes besetzt sind, die beiden Flügel, die beiden Halbräume und das Zentrum, sodass die verteidigende Kette auf ihre volle Breite gedehnt wird.
Das 4-3-3 gegen den Ball
Gegen den Ball presst das 4-3-3 gut. Die drei Angreifer können den Aufbau auf eine Seite lenken und andere Passwege abschirmen. Vier Verteidiger und den Torwart können sie nicht gleichzeitig einzeln decken; dafür brauchen sie abgestimmte Laufwege und Unterstützung aus dem Mittelfeld. Viele Teams verteidigen allerdings nicht in der Ordnung, in der sie angreifen. Die Flügelstürmer lassen sich auf Höhe des Mittelfelds fallen, und aus dem Block wird ein 4-5-1 oder 4-1-4-1, das die Flügel schützt und dafür den Stürmer allein lässt.
Schwächen und Varianten des Systems
Die Schwächen haben denselben Ursprung wie die Stärken. Ein alleiniger Sechser hat links und rechts von sich viel Rasen, und Gegner, die einen Zehner oder einen inversen Flügelspieler in diese Räume bekommen, können aufdrehen und auf die Innenverteidiger zulaufen. Rücken die Außenverteidiger auf, ist der Raum hinter ihnen bei Umschaltmomenten offen, weshalb der Sechser und die beiden Innenverteidiger eine saubere Restverteidigung halten müssen. Und der einzige Mittelstürmer ist schon vom System her in Unterzahl. Kommen Flügelstürmer und Achter nicht in seine Nähe, kann ein 4-3-3 viel Ballbesitz und sehr wenig Präsenz im Strafraum haben.
Deshalb sagen die Zahlen allein auch wenig. Aufschlussreicher ist, wo die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz stehen, welcher Mittelfeldspieler zwischen die Innenverteidiger abkippt und ob die Flügelstürmer breit oder eingerückt spielen. Zwei Mannschaften, die beide ein 4-3-3 ankündigen, können nach dem ersten Pass völlig verschieden aussehen. Auf der Taktiktafel lässt sich ein 4-3-3 aufstellen und durch Verschieben der Spieler nachvollziehen, wie schnell daraus im Angriff ein 2-3-5 oder in der Verteidigung ein 4-5-1 wird.
Die beiden Mittelfeldspieler neben dem Sechser bestimmen den Charakter eines 4-3-3. Viele Trainer setzen dort mindestens einen Achter ein, der presst, Bälle erobert und spät in den Strafraum kommt.
Das 4-3-3 ist auch die Grundordnung des totalen Fußballs: Ajax und die Niederlande spielten es Anfang der 1970er-Jahre mit Flügelstürmern, während die Spieler innerhalb dieser Ordnung die Positionen tauschten.
Gegen den Ball lassen viele 4-3-3-Teams beide Flügelstürmer ins Mittelfeld zurückfallen und einen Sechser vor der Abwehr. So entsteht ein 4-1-4-1: zwei Viererreihen hinter einer einzigen Spitze.
Ist das 4-3-3 ein offensives System?
Es kann eines sein, aber an den Stürmern liegt das nicht. Was die Ordnung bietet, sind ein zusätzlicher Spieler im zentralen Mittelfeld und natürliche Breite weit vorne, und beides hilft einer Mannschaft, den Ball zu halten und den Gegner hinten festzusetzen. Viele Teams nutzen dasselbe 4-3-3, um tief zu verteidigen und über schnelle Flügelstürmer zu kontern. Die Formation legt die Ausgangspositionen fest; ob sie angreift, entscheiden die Anweisungen.
Die Analyse von 4-4-2 gegen 4-3-3 zeigt auf einer animierten Taktiktafel, wie der freie Mittelfeldspieler entsteht, sein Passweg geschlossen wird und das Spiel auf den Flügel wandert.
Woher stammt das 4-3-3?
Das 4-3-3 ist aus dem 4-2-4 entstanden. Brasilien gewann die Weltmeisterschaften 1958 und 1962 nominell mit vier Stürmern, doch weil sich Mário Zagallo immer wieder ins Mittelfeld fallen ließ, kam das Spiel einem 4-3-3 nahe. Rinus Michels machte das System in den 1970er-Jahren zur Grundlage von Ajax und der niederländischen Nationalelf. Moderne Bezugspunkte sind Guardiolas Barcelona und Klopps Liverpool.
Welche Aufgaben hat der Sechser im 4-3-3?
Der Sechser ist im 4-3-3 der tiefste der drei zentralen Mittelfeldspieler. Er schirmt die Innenverteidiger ab und bietet sich im Spielaufbau für den ersten Pass an. Weil er allein spielt, hat er links und rechts viel Raum, den gegnerische Zehner oder inverse Flügelspieler nutzen können. Mit den beiden Innenverteidigern muss er außerdem eine saubere Restverteidigung halten, wenn die Außenverteidiger aufrücken.
Was sind die Schwächen des 4-3-3?
Die Schwächen des 4-3-3 haben denselben Ursprung wie seine Stärken. Neben dem alleinigen Sechser liegt viel Raum, in dem Gegner aufdrehen können. Rücken die Außenverteidiger auf, ist der Raum hinter ihnen bei Umschaltmomenten offen. Und der einzige Mittelstürmer ist vom System her in Unterzahl. Kommen Flügelstürmer und Achter nicht in seine Nähe, hat die Mannschaft viel Ballbesitz, aber wenig Präsenz im Strafraum.
Quellen und weiterführende Informationen
- The 4-3-3: football tactics explained — The Coaches' Voice
- Formation (association football) — Wikipedia
- Total Football — Wikipedia