Formationen und Rollen · Analyse
Mezzala: der Achter, der in den Halbraum zieht
Die Mezzala ist ein seitlicher Achter im Dreiermittelfeld, der in den Halbraum zieht. Herkunft des Begriffs, Laufwege, Beispiele und Risiken.
Die Mezzala ist ein zentraler Mittelfeldspieler an einer Seite eines Dreiermittelfelds, dessen Wege schräg nach vorn in den Halbraum führen. Auf Deutsch ist sie ein Achter mit Zug zur Außenbahn. Sie ist weder einfach Flügelspieler noch ein dauerhaft hinter den Spitzen wartender Zehner.
Ein italienisches Wort für einen deutschen Achter
Der Begriff ist italienisch und zusammengezogen aus „mezza ala“, halber Flügel. Er ist älter als die heutige Rolle: Im italienischen Vokabular der Zeit um 1930 bezeichnete die Mezzala einen der Innenstürmer zwischen Flügel und Mittelstürmer. Im deutschen Sprachgebrauch des WM-Systems hießen diese Spieler Halbstürmer. Als diese Positionen verschwanden, blieb das Wort im Italienischen und wanderte zum nächsten modernen Verwandten, dem seitlichen Mittelfeldspieler im Dreiermittelfeld.
Im deutschsprachigen Netz taucht „Mezzala“ vor allem im Zusammenhang mit dem Football Manager auf, der sie als eigene Rolle führt: ein zentraler Mittelfeldspieler, der aktiv die Halbräume sucht. In Spielberichten und Trainerinterviews ist dagegen meist vom Achter die Rede. Das ist kein Widerspruch: Jede Mezzala ist ein Achter, aber nicht jeder Achter ist eine Mezzala.
Wo sie spielt und was sie tut
Am leichtesten zu erkennen ist die Rolle im 4-3-3 oder im 3-5-2. Hinter ihr steht ein tiefer Mittelfeldspieler, oft ein Regista, der im Zentrum bleibt und die beiden äußeren Mittelfeldspieler ziehen lässt. Die Zone der Mezzala ist der Halbraum, die Bahn zwischen Flügel und Zentrum. Dort taucht sie zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger auf, nimmt den Ball halb aufgedreht an, kombiniert mit dem Flügelspieler oder Flügelverteidiger neben ihr, läuft hinter die Abwehr oder kommt spät in den Strafraum. Ein Spieler, der zentral beginnt und erst dann in diesen Raum startet, ist schwerer zu übernehmen als einer, der von Anfang an dort steht.
Ihre Bewegungen hängen am Außenspieler ihrer Seite. Bleibt der Flügelspieler an der Linie, greift die Mezzala die Schnittstelle innen an. Zieht er nach innen, kann sie außen vorbeilaufen und selbst Breite geben. Mit dem Außenverteidiger entsteht so ein Dreieck auf einer Seite, und das Rotieren dieser drei Positionen ist ein Standardweg zur Überzahl gegen Außenverteidiger und Flügelspieler des Gegners. Im 3-5-2 bildet sich dasselbe Dreieck mit Flügelverteidiger und seitlichem Innenverteidiger. Daraus entstehen Kombinationen über den dritten Spieler. Gleiche Laufwege zur gleichen Zeit verengen dagegen die Passmöglichkeiten.
Beispiele
Coaches’ Voice nennt als Mezzala-Beispiele Kevin De Bruyne halbrechts in Guardiolas 4-3-3 bei Manchester City, Ángel Di María bei Real Madrid unter Carlo Ancelotti, Sergej Milinković-Savić im 3-5-2 von Lazio und Paul Pogba bei Juventus unter Antonio Conte. Auf derselben Liste stehen mit Corentin Tolisso, damals noch in Lyon, und Julian Draxler bei Paris Saint-Germain zwei Spieler, die Bundesliga-Zuschauer gut kennen.
Bei Inter ließ sich das Zusammenspiel von Regista und Mezzala direkt beobachten. Als Hakan Çalhanoğlu im September 2022 auf die Sechs rückte, wurde im 3-5-2 von Simone Inzaghi die vorgeschobene Achterposition frei, und Henrikh Mkhitaryan übernahm sie. Der eine verteilte aus der Tiefe, der andere schob in die Räume weiter vorn.
Abgrenzung und Risiko
Ein Box-to-Box-Spieler läuft durch die Mitte von Strafraum zu Strafraum, die Bewegung der Mezzala geht diagonal Richtung Flügel. Ein Zehner spielt von Beginn an zwischen den Linien und ist von Defensivarbeit weitgehend befreit, die Mezzala startet in der Mittelfeldreihe und muss dorthin zurück.
Die defensive Arbeit gehört deshalb zum Profil. Die Mezzala deckt den Sechser seitlich ab und sichert die Vorwärtsbewegung eines Mitspielers. Rücken beide Achter ohne Absicherung vor, steht der tiefste Mittelfeldspieler bei Ballverlust allein vor der Abwehr, und die Restverteidigung wird dünn. Viele Trainer spielen deshalb eine Mezzala und einen vorsichtigeren zweiten Achter. Beim Zuschauen hilft der Blick auf die Achter bei eigenem Ballbesitz: Wer zieht in den Kanal neben dem Mittelstürmer, und wer bleibt beim Sechser? Die Rolle lässt sich über solche Laufwege besser erkennen als über eine Position auf dem Aufstellungsbild.
Die Mezzala ist eine Rolle, keine eigene Position: Auf dem Aufstellungsbogen ist sie einer der zentralen Mittelfeldspieler, und der Überblick über die Positionen im Fußball zeigt, wo dieser Spieler zwischen den anderen zehn steht.
Die Mezzala wird oft mit dem Trequartista verwechselt, dem klassischen Zehner hinter den Spitzen. Beide starten an anderer Stelle und haben andere Aufgaben, wie der Vergleich Mezzala oder Trequartista zeigt.
Ist eine Mezzala dasselbe wie ein Achter?
Sie ist eine bestimmte Art Achter. „Achter“ bezeichnet allgemein einen zentralen Mittelfeldspieler zwischen Sechser und Angriff. Die Mezzala ist die Variante, deren Wege breit und nach vorn in Halbraum und Schnittstelle führen, im Unterschied zum Box-to-Box-Achter oder zu einem tieferen Achter, der vor allem den Ball zirkulieren lässt.
Quellen und weiterführende Informationen
- The mezzala: explained — The Coaches' Voice
- The half-spaces: football tactics explained — The Coaches' Voice