Formationen und Rollen · Analyse
4-3-3 gegen 4-2-3-1: ein Mittelfelddreieck, umgedreht
Das 4-3-3 spielt einen Sechser hinter zwei Achtern, das 4-2-3-1 eine Doppelsechs hinter einem Zehner. Vergleichstabelle, Grafik und Erkennungsmerkmale.
Das 4-3-3 stellt einen Sechser hinter zwei Achter und zwei Flügelstürmer neben den Mittelstürmer. Das 4-2-3-1 dreht dieses Dreieck um: Eine Doppelsechs steht hinter einem Zehner, und die Außen beginnen eine Reihe tiefer, auf seiner Höhe.
Beide Systeme haben eine Viererkette, eine einzelne Spitze und fünf Spieler dazwischen. Wie diese fünf gestaffelt sind, entscheidet, wer die Abwehr schützt, wer zwischen den Linien angespielt wird und wer zuerst presst. Für deutsche Zuschauer sind beide vertraut: Die Nationalmannschaft gewann die WM 2014 im 4-2-3-1, und das 4-3-3 prägte Jürgen Klopps Liverpool. Die ausführlichen Hintergründe stehen in den Artikeln zum 4-3-3-System und zum 4-2-3-1-System.
| 4-3-3 | 4-2-3-1 | |
|---|---|---|
| Mittelfelddreieck | Ein Sechser hinter zwei Achtern | Doppelsechs hinter einem Zehner |
| Typische Nummern | 6, 8 und 8 | 6 und 8 (oder zwei Sechser), davor die 10 |
| Hauptquelle der Kreativität | Die Achter in den Halbräumen und die Flügelstürmer | Der Zehner zwischen den Linien, dazu die offensiven Außen |
| Außenspieler | Flügelstürmer, hoch und auf Höhe der Spitze | Offensive Außen, etwas tiefer, oft nach innen ziehend |
| Gegen den Ball | Die vordere Dreierreihe presst, oft Rückzug ins 4-5-1 oder 4-1-4-1 | Meist 4-4-2 oder 4-4-1-1, der Zehner rückt neben die Spitze |
| Eingebautes Risiko | Räume neben dem einzelnen Sechser | Lücke zwischen Doppelsechs und den vorderen vier |
| Bekanntes Beispiel | Klopps Liverpool, Guardiolas Barcelona | Deutschland bei der WM 2014, Heynckes’ Bayern 2012/13 |
Das Mittelfeld: ein Sechser und zwei Achter, oder Doppelsechs und Zehner
Im 4-3-3 steht der tiefste Mittelfeldspieler allein. Die Premier League beschreibt ihn in ihrer Analyse als Achse des Spiels, mit Sergio Busquets bei Barcelona als Beispiel. Seine Bewegungen vor den Innenverteidigern schaffen Raum für Außenverteidiger und Spieler innen. Vor ihm spielen die beiden Achter auf verschiedenen Höhen und suchen Passwege. Ein Achter, der nach außen in den Halbraum zieht, heißt in Italien Mezzala. Die Kreativität ist auf mehrere Spieler verteilt.
Das 4-2-3-1 bündelt sie. Die Doppelsechs schützt die Viererkette und unterstützt das Spiel von hinten. Das macht einen Spieler frei, den Zehner, der zwischen gegnerischem Mittelfeld und Abwehr bleibt, im zentralen Raum der Zone 14. Die deutsche Wikipedia leitet den Begriff direkt vom System ab: Vor der Abwehr spielen zwei defensive Mittelfeldspieler, daher „Doppelsechs“. Coaches’ Voice beschreibt, dass das 4-2-3-1 entstand, um dem Gegner diese zentralen Räume zwischen den Linien zu nehmen. Zuerst deckte ein einzelner Absicherer wie Claude Makélélé sie ab, dann kam ein zweiter dazu.
Der Kompromiss: Das 4-3-3 hat zwei Mittelfeldspieler, die im Strafraum ankommen können, und einen, der bleiben muss. Das 4-2-3-1 hat zwei, die bleiben, und einen, der angespielt wird. Es ist also sicherer vor den Innenverteidigern, hängt aber an einem einzigen Kreativspieler.
Flügelstürmer gegen offensive Außen
Im 4-3-3 sollen alle drei Angreifer echte Offensivspieler sein. Die Flügelspieler starten auf Höhe der Spitze. Laut Premier League können sie auf ihrem starken Fuß an der Linie bleiben und ins Eins-gegen-eins gehen, oder sie spielen invers und suchen das Zusammenspiel mit dem Außenverteidiger. Bei Real Madrid unter Carlo Ancelotti nutzten Vinícius Júnior und Rodrygo diese Höhe für Läufe in die Tiefe nach Ballgewinn.
Im 4-2-3-1 gehören die Außen zur offensiven Mittelfeldreihe. Laut Coaches’ Voice spielen sie oft auf der „falschen“ Seite und ziehen nach innen, um direkter aufs Tor zu gehen, während die Außenverteidiger hinterlaufen. Weil sie tiefer starten, haben sie einen kürzeren Weg zurück in eine Mittelfeldreihe aus vier.
Mit Ball: der Spielaufbau
Das 4-3-3 baut über sein Dreieck auf. Der Sechser kippt ab oder bietet sich an, die Achter staffeln sich auf verschiedenen Höhen, und die Position der Außenverteidiger entscheidet, ob die Mannschaft gegen ein Mittelfeldpressing einen Spieler mehr hat.
Das 4-2-3-1 hat schon vor Beginn des Angriffs zwei Spieler hinter dem Ball. Ein Sechser kann sich neben die Innenverteidiger fallen lassen, während der andere vor der ersten Pressinglinie bleibt, sodass die Außenverteidiger aufrücken können. Die Schwachstelle ist die Spitze: Laut Coaches’ Voice kann der einzelne Mittelstürmer gegen die gegnerischen Innenverteidiger isoliert werden.
Gegen den Ball: wie beide pressen
Das 4-3-3 presst mit seiner vorderen Dreierreihe. Sie kann den Spielaufbau des Gegners auf eine Seite lenken. Pressen die drei nicht, kann der Gegner laut Premier League leicht vorrücken. Wird das Pressing überspielt, muss das Mittelfeld über die ganze Breite verschieben, was Ausdauer und Disziplin verlangt. Viele 4-3-3-Mannschaften lassen die Flügelstürmer ins Mittelfeld fallen und verteidigen im 4-1-4-1 oder 4-5-1, wodurch die Spitze allein bleibt.
Das 4-2-3-1 presst zu zweit. Der Mittelstürmer läuft an, der Zehner kommt dazu, und die Mannschaft verteidigt laut Premier League im 4-4-2 oder 4-4-1-1. Die Doppelsechs schließt die Lücken zwischen den drei offensiven Mittelfeldspielern davor. Das Risiko ist der Abstand: Steht die Doppelsechs zu tief, zerfällt die Mannschaft in sechs Verteidiger und vier Angreifer. Und sind beide Außenverteidiger hoch, kann eine schnelle Verlagerung beide Sechser überspielen.
Wie Mannschaften zwischen beiden wechseln
Ein einziger Mittelfeldspieler entscheidet. Schiebt ein Sechser des 4-2-3-1 nach vorn und fällt der Zehner zurück, entsteht ein 4-3-3. Lässt sich ein Achter des 4-3-3 neben den Sechser fallen und rückt der andere in den Zehnerraum, entsteht ein 4-2-3-1. Die Außen passen ihre Höhe um ein paar Meter an.
Liverpool zeigt den Wechsel über zwei Trainer. Laut englischer Wikipedia gewann Jürgen Klopps Liverpool die Premier League und die Champions League mit einem hoch pressenden 4-3-3 und dem Sturm aus Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino. Laut der Analyse der Premier League stellte Arne Slot in seiner ersten Saison auf ein 4-2-3-1 um. Ryan Gravenberch und Alexis Mac Allister bildeten die Doppelsechs und schirmten Pässe auf gegnerische Neuner und Zehner ab. Dominik Szoboszlai bediente als beweglicher Zehner Salah und Luis Díaz. Liverpool wurde Meister.
Auch die deutsche Nationalmannschaft spielte laut deutscher Wikipedia seit dem Viertelfinale gegen Portugal bei der EM 2008 oft im 4-2-3-1 und gewann damit die WM 2014. Im Vereinsfußball nennt die englische Wikipedia Jupp Heynckes’ Bayern als Beispiel, das 2012/13 das Triple gewann. Im zentralen Mittelfeld spielten dort Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez. Wie drei gegen zwei im Mittelfeld wirkt, zeigt die Analyse 4-4-2 gegen 4-3-3.
Woran man sie im Spiel unterscheidet
Am besten schaut man ins Mittelfeld, wenn der Gegner den Ball um die Mittellinie hat. Steht ein Spieler allein vor den Innenverteidigern, zwei Mitspieler vor und neben ihm, ist es ein 4-3-3. Stehen zwei nebeneinander und ein Spieler schwebt hinter der Spitze, ist es ein 4-2-3-1.
Dann lohnt der Blick aufs Pressing. Drei Angreifer, die gemeinsam auf die Verteidiger springen, sprechen für ein 4-3-3. Ein Stürmer und ein Mittelfeldspieler als Paar, dahinter zwei Viererreihen, sprechen für ein 4-2-3-1. Zuletzt helfen die Außen: Auf Höhe der Spitze sind es Flügelstürmer, auf Höhe des Zehners offensive Außen.
Wann ein Trainer welches System wählt
Das 4-3-3 wählt ein Trainer für ein Mittelfeld, das über die ganze Breite pressen kann, und für zwei Achter, die passen und im Strafraum ankommen. Es braucht einen Sechser, der allein viel Raum abdeckt. Das 4-2-3-1 wählt er für mehr Schutz vor der Abwehr, für einen Spieler, der zwischen den Linien am stärksten ist, und für eine Mannschaft, die sich im 4-4-2 gegen den Ball wohler fühlt.
Beide Grundordnungen lassen sich mit Positionen und Rückennummern auf den Formationsseiten zum 4-3-3 und zum 4-2-3-1 vergleichen.
Ist das 4-2-3-1 defensiver als das 4-3-3?
Es ist meist sicherer vor den Innenverteidigern, weil zwei Mittelfeldspieler ihre Position halten statt einem. Defensiv ist es deshalb nicht automatisch: Der Zehner und die offensiven Außen geben ihm vier Angreifer, und wie hoch eine Mannschaft spielt, entscheiden die Anweisungen.
Kann aus einem 4-3-3 im Spiel ein 4-2-3-1 werden?
Ja, das passiert ständig. Lässt sich ein Achter neben den Sechser fallen und rückt der andere hinter die Spitze, ist die Ordnung ein 4-2-3-1. Der Wechsel bringt meist mehr Schutz vor der Abwehr und gibt einem Spieler mehr Freiheit zwischen den Linien.
Was ist der Unterschied zwischen Flügelstürmer und offensivem Außen?
Ein Flügelstürmer im 4-3-3 startet hoch, auf Höhe der Spitze, und ist vor allem Angreifer. Ein offensiver Außen im 4-2-3-1 startet etwas tiefer, auf Höhe des Zehners, und zieht oft von der falschen Seite nach innen. Er hat auch einen kürzeren Weg zurück in eine Mittelfeldreihe aus vier.
Welches System ist besser fürs Pressing?
Beide können gut pressen, aber unterschiedlich. Das 4-3-3 presst mit drei Angreifern und braucht ein Mittelfeld, das schnell dahinter verschiebt. Das 4-2-3-1 presst mit Stürmer und Zehner, gestützt von zwei Viererreihen, und ist damit einfacher zu organisieren.
Quellen und weiterführende Informationen
- Spielsystem (Fußball) — Wikipedia
- The 4-3-3 formation: five key points — Premier League / Coaches' Voice
- The 4-2-3-1: football tactics explained — Premier League / Coaches' Voice
- Analysis: The tactical tweaks that won the title for Liverpool — Premier League
- Formation (association football) — Wikipedia (Englisch)