Formationen und Rollen · Analyse

Ein Sechser oder Doppelsechs: einer vor der Abwehr oder zwei

Ein einzelner Sechser schützt die Abwehr allein, die Doppelsechs teilt die Aufgabe zu zweit. Vergleichstabelle, Grafik, Systeme und deutsche Beispiele.

Zwei Spielfelder nebeneinander. Links ein 4-3-3, der einzelne Sechser vor der Viererkette rot markiert. Rechts ein 4-2-3-1, die beiden Sechser der Doppelsechs rot markiert und mit einer Linie verbunden.
Bild: Touchline Notes

Ein einzelner Sechser ist ein defensiver Mittelfeldspieler allein vor der Abwehr, wie im 4-3-3 oder 4-1-4-1. Die Doppelsechs sind zwei Sechser nebeneinander, wie im 4-2-3-1: sicherer vor der Viererkette, aber mit einem Spieler weniger für den Angriff.

Beide Lösungen beantworten dieselbe Frage: Wer schützt den Raum zwischen Abwehrkette und dem Rest der Mannschaft? Was dieser Spieler genau tut, erklärt der Artikel über den Sechser. Wie sich ein Paar die Arbeit teilt, steht im Artikel zur Doppelsechs. Diese Seite stellt beide Varianten nebeneinander. International heißt der einzelne Sechser „single pivot“, die Doppelsechs „double pivot“.

Ein Sechser Doppelsechs
Wo sie stehen Ein Spieler an der Basis des Mittelfelds, zwischen Innenverteidigern und zwei Achtern Zwei Spieler nebeneinander, vor den Innenverteidigern und hinter einem Zehner
Hauptaufgabe Den Raum vor der Abwehr allein abschirmen und absichern Den Raum teilen: einer rückt heraus, der andere hält
Gegen den Ball Deckt die ganze Breite der Mitte allein, die Räume neben ihm sind das Risiko Zwei Spieler in der Mitte, ein schneller Seitenwechsel kann beide überspielen
Mit Ball Erste Anspielstation vor der Kette, kippt oft zwischen oder neben die Innenverteidiger ab Zwei Passwinkel für die Innenverteidiger, einer kippt ab, der andere bleibt hinter der ersten Pressinglinie
Typische Systeme 4-3-3, 4-1-4-1 4-2-3-1, 3-4-3, 4-2-2-2
Nummern Die 6 Zwei Sechser oder ein Sechser und ein Achter
Bekanntes Beispiel Sergio Busquets bei Guardiolas Barcelona Schweinsteiger und Khedira bei der WM 2010

Das Mittelfelddreieck zeigt nach vorn oder nach hinten

Am einfachsten sieht man den Unterschied an den drei zentralen Mittelfeldspielern. Mit einem Sechser zeigt das Dreieck nach vorn: ein Sechser an der Basis, zwei Achter davor. Mit der Doppelsechs zeigt es nach hinten: zwei Sechser an der Basis, ein Zehner an der Spitze. Der Leitfaden der Premier League zur Nummer 6 beschreibt die Doppelsechs genau so: zwei Sechser unter einem einzelnen Zehner, das Dreieck wird umgedreht.

Diese eine Änderung versetzt einen Spieler von hinter dem Angriff nach vor die Abwehr.

Mit Ball: der Spielaufbau

Der einzelne Sechser ist oft die wichtigste Verbindung zwischen Abwehr und Mittelfeld. Er bietet sich vor den Innenverteidigern an, kippt gegen hohes Pressing in die Kette ab und verlagert oder spielt durch die Linien, wenn er aufdrehen kann. Weil es nur einen von ihm gibt, kann der Gegner sein Pressing darauf ausrichten, genau den Pass auf ihn zu verhindern.

Die Doppelsechs gibt den Innenverteidigern zwei Optionen statt einer. Ein Sechser kann sich neben oder zwischen die Innenverteidiger fallen lassen, während der andere hinter der ersten Pressinglinie bleibt. Das ist eine häufige Plattform für den Spielaufbau im 4-2-3-1. Coaches’ Voice ergänzt, dass das Paar auch nach außen ausweichen kann, um eine Verlagerung zu ermöglichen. Der Preis: Wenn beide tief stehen, hängt die Mannschaft vom Zehner und den Außen ab, um zwischen den Linien anspielbar zu sein.

Gegen den Ball: der Raum vor der Viererkette

Hier verdient sich die Doppelsechs ihren Platz. Laut Coaches’ Voice schützt das Paar den Raum vor den Innenverteidigern und deckt die Räume zwischen den Linien ab. Einer kann neben den Zehner vorrücken oder einem Außenverteidiger helfen, der andere bleibt stehen. Coaches’ Voice schreibt außerdem, das 4-2-3-1 sei entstanden, um dem Gegner den Zugang zu den zentralen Räumen zwischen den Linien zu nehmen. Dazu gehört die Zone 14 direkt vor dem Strafraum.

Der einzelne Sechser hat dieselbe Aufgabe mit halb so vielen Spielern. Der Premier-League-Leitfaden zum 4-1-4-1 beschreibt seinen Auftrag mit Abschirmen, Absichern, Zweikämpfen und Abfangen im Raum vor der Innenverteidigung. Der Leitfaden zur Nummer 6 nennt das Problem: Muss ein einzelner Sechser die Außenbahnen mit abdecken, öffnet er zentrale Räume. Gegner mit zwei Spielern zwischen den Linien oder zwei zentralen Stürmern können ihn überladen.

Auch die Doppelsechs ist nicht ohne Risiko. Sind beide Außenverteidiger aufgerückt, kann eine schnelle Verlagerung im Konter beide Sechser überspielen und in die freien Räume außen dahinter führen.

Restverteidigung und Spieler für den Angriff

Die Restverteidigung ist die Ordnung, die eine Mannschaft hinter dem Ball hält, während sie angreift. Die Doppelsechs ergibt ein natürliches 2+2 in der Mitte: zwei Innenverteidiger, zwei Sechser. Diese Sicherheit erlaubt es dem 4-2-3-1, den Zehner hoch zu lassen und die Außenverteidiger nach vorn zu schicken. Auch der Zehner verteidigt: Laut Coaches’ Voice deckt er nach hinten ab und übernimmt den gegnerischen Sechser.

Der einzelne Sechser macht einen Spieler mehr frei. Mit zwei Achtern vor ihm statt eines Zehners hat die Mannschaft einen zusätzlichen Läufer für den Strafraum und einen zusätzlichen Spieler im Pressing. Wer trotzdem einen zweiten Absicherer will, kann einen inversen Außenverteidiger ins Zentrum rücken lassen. Dann stehen wieder zwei Spieler vor den Innenverteidigern.

Welche Systeme welche Lösung nutzen

Der einzelne Sechser gehört zum 4-3-3 und zum 4-1-4-1. Beide lassen sich mit Nummern auf den Formationsseiten zum 4-3-3 und zum 4-1-4-1 ansehen. Das 4-1-4-1 kann die defensivere Version sein, wenn die Außen in eine Viererreihe vor dem Sechser zurückfallen. Die Premier League nennt es eine Grundlage für einen tiefen oder mittleren Block.

Die Doppelsechs gehört vor allem zum 4-2-3-1 (Formationsseite). Die deutsche Wikipedia leitet den Namen direkt daraus ab: Vor der Abwehr spielen zwei defensive Mittelfeldspieler, daher „Doppelsechs“. Sie taucht auch im 3-4-3 (Formationsseite) auf, wo die beiden zentralen Mittelfeldspieler zwischen den Flügelverteidigern stehen, und im 4-2-2-2.

Die Grenze ist nicht fest. Laut Premier League kann im 4-1-4-1 ein zentraler Mittelfeldspieler neben den Sechser rücken, und aus der Ordnung wird ein 4-2-3-1.

Beispiele

Coaches’ Voice führt die Doppelsechs auf den einzelnen Sechser zurück. Das 4-2-3-1 setzte zunächst auf einen Absicherer, am bekanntesten Claude Makélélé, bevor ein zweiter dazukam. Für den einzelnen Sechser im 4-3-3 steht Sergio Busquets bei Guardiolas Barcelona, den die Premier League als Achse des Spiels beschreibt.

In Deutschland machte das Fernsehen den Begriff bekannt. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2011, Jürgen Klopp habe als TV-Experte bei der WM 2006 Begriffe wie „Doppel-Sechs“ einem großen Publikum erklärt. Bei der WM 2010 war das Duo Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira laut Sport1 unumstritten. Michael Ballack verpasste diese WM wegen einer Knöchelverletzung. In der Triple-Saison 2012/13 spielte er unter Jupp Heynckes im zentralen Mittelfeld neben Javi Martínez. Coaches’ Voice nennt außerdem Hansi Flicks Bayern, bei denen Thiago das Tempo bestimmte, an seiner Seite Leon Goretzka oder Joshua Kimmich.

Woran man sie im Spiel unterscheidet

Am besten schaut man hin, wenn ein Innenverteidiger den Ball hat. Wie viele Mittelfeldspieler bieten sich vor ihm an? Ein Spieler in der Mitte und zwei weitere höher: ein einzelner Sechser. Zwei Spieler etwa auf gleicher Höhe, einer kommt zum Ball und einer hält: eine Doppelsechs.

Bei Ballverlust zeigt sich der Unterschied noch einmal. Mit einem Sechser schließt ein Mittelfeldspieler die Mitte. Mit einer Doppelsechs stehen schon zwei zwischen Ball und Abwehr.

Wann ein Trainer welche Lösung wählt

Eine Doppelsechs wählt ein Trainer, um die Abwehr zu schützen, offensiven Außenverteidigern Absicherung zu geben oder einen Zehner hoch zu halten. Sie passt zu einer Mannschaft, die lange Phasen verteidigen will. Einen einzelnen Sechser wählt er, um mehr Spieler nach vorn zu bringen und mit mehr Spielern zu pressen. Dafür braucht es einen Sechser, der viel Raum abdeckt und Gefahr allein liest. Viele Mannschaften wechseln im selben Spiel: zwei Sechser gegen den Ball, einer mit Ball, oder umgekehrt, wenn sie eine Führung verteidigen.

Ist eine Doppelsechs besser als ein einzelner Sechser?

Keine Lösung ist grundsätzlich besser. Die Doppelsechs schützt die Viererkette stärker und sichert die Restverteidigung. Ein einzelner Sechser macht einen Spieler mehr für Angriff und Pressing frei. Die Wahl hängt von den Spielern und vom Gegner ab.

Welches System spielt mit einem Sechser?

Das 4-3-3 und das 4-1-4-1 haben beide einen defensiven Mittelfeldspieler an der Basis des Mittelfelds. In beiden spielen zwei weitere zentrale Mittelfeldspieler vor ihm.

Was ist die Doppelsechs im 4-2-3-1?

Sie ist die „2“ in der Formation: zwei defensive Mittelfeldspieler nebeneinander vor den Innenverteidigern und hinter dem Zehner. Sie teilen sich das Abschirmen der Abwehr und den Beginn des Spielaufbaus.

Kann eine Mannschaft im Spiel zwischen Sechser und Doppelsechs wechseln?

Ja, viele tun das während eines Spiels. Ein Achter kann sich neben den Sechser fallen lassen, dann stehen zwei Absicherer. Oder einer aus der Doppelsechs rückt vor, dann bleibt ein einzelner Sechser mit einem zusätzlichen Spieler weiter vorn.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Mittelfeldspieler — Wikipedia
  2. The 4-2-3-1: football tactics explained — Coaches' Voice
  3. The No 6 position in football explained — Premier League
  4. Die Demokratie der Doppel-Sechs — Süddeutsche Zeitung (Marco Maurer)
  5. Bastian Schweinsteiger wieder bereit: Was bedeutet das für Khedira? — Sport1