Formationen und Rollen · Analyse
Doppelsechs: zwei Sechser vor der Abwehr
Die Doppelsechs besteht aus zwei zentralen Mittelfeldspielern vor der Abwehr. Aufgaben, Staffelung und Beispiele von Schweinsteiger und Khedira bis Klopp.
Eine Doppelsechs ist ein Paar zentraler Mittelfeldspieler, die nebeneinander vor der Abwehr spielen. Gemeinsam sind sie für den wertvollsten Streifen des Feldes zuständig: den Raum direkt vor den Innenverteidigern. Besonders im 4-2-3-1 ist sie leicht zu erkennen, sie kann aber auch vor einer Dreierkette oder im 4-4-2 spielen.
Der Name kommt von der Rückennummer. Der Sechser ist im deutschen Fußball der defensive zentrale Mittelfeldspieler, stellt man zwei davon auf, hat man eine Doppelsechs. Das Wörterbuch DWDS führt inzwischen sowohl „Doppelsechs“ als auch „Doppelsechser“. In anderen Sprachen heißt das Paar meist nach dem spanischen „doble pivote“.
Wie der Begriff in Deutschland ankam
Dass heute jeder Stammtisch von der Doppelsechs spricht, hat mit der Umstellung auf die Viererkette zu tun. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2011, Jürgen Klopp habe bei der WM 2006 als ZDF-Experte Begriffe wie „Doppel-Sechs“ und „flache Vier“ einem großen Publikum nahegebracht. Acht Jahre vorher war Deutschland noch das Land der Liberos und Vorstopper gewesen.
Das bekannteste deutsche Paar der folgenden Jahre bildeten Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira. Bei der WM 2010 in Südafrika waren die beiden gesetzt, Schweinsteiger ersetzte im Zentrum den verletzten Michael Ballack. Beim FC Bayern stand Schweinsteiger in der Triple-Saison 2012/13 dann neben Javi Martínez. Borussia Dortmund spielte in der Meistersaison 2011/12 mit Ilkay Gündoğan im Zentrum, an seiner Seite abwechselnd Sven Bender und Sebastian Kehl.
Arbeitsteilung und Staffelung
Die klassische Aufteilung ist die zwischen Zerstörer und Passgeber: Einer erobert den Ball, der andere verteilt ihn. Die besseren Paare sind schwerer zu beschriften. Entscheidend ist, dass beide selten auf derselben Linie stehen. Stehen sie nebeneinander im gleichen Deckungsschatten, kann ein einziger Gegenspieler beide blockieren. Zwei Sechser, die flach nebeneinander den Ball in den Fuß fordern, helfen ihren Innenverteidigern kaum. Abstand, Körperstellung und rechtzeitiges Freilaufen sind deshalb wichtiger als eine symmetrische Aufstellung.
Im Spielaufbau bietet die Paarung die erste Plattform. Gegen zwei Stürmer kann ein Sechser neben oder zwischen die Innenverteidiger fallen, während der andere hinter der ersten Pressinglinie auftaucht. Gegen einen einzelnen Stürmer können beide höher bleiben und mit den Innenverteidigern ein Viereck bilden. Von dort suchen sie Seitenwechsel und linienbrechende Pässe auf den Zehner und die Flügel. Ein Regista kann Teil der Doppelsechs sein, wenn die Bewegungen seines Partners die Organisation ergänzen.
Gegen den Ball
Gegen den Ball schirmt die Doppelsechs Pässe auf die gefährlichsten Gegenspieler ab, die zwischen den Linien in der Zone 14 annehmen wollen. Ein Sechser kann vorrücken, der andere schließt den Raum dahinter. Springen beide gleichzeitig zum Ball, wird die Zone vor den Innenverteidigern angreifbar. Mit den beiden Innenverteidigern bildet das Paar außerdem den Kern der Restverteidigung: ein 2+2-Block in der Mitte, wenn der Rest der Mannschaft angreift. Diese Sicherheit erlaubt es erst, einen Zehner mit wenigen Defensivaufgaben aufzustellen.
Doppelsechs oder ein einzelner Sechser?
Der eigentliche Vergleich ist der mit einem einzelnen Sechser wie im 4-3-3. Ein Sechser allein macht einen Spieler weiter vorn frei, die Mannschaft hat mehr Präsenz zwischen den Linien und presst mit mehr Leuten. Er muss aber die ganze Breite allein abdecken, und die Räume neben ihm sind die Stellen, an denen ein 4-3-3 verwundbar ist. Zwei Sechser schließen diese Räume, kosten aber einen Spieler weiter vorn. Bleiben beide dauerhaft tief, fehlen Läufer hinter die Abwehr, und zwischen Mittelfeld und Angriff entsteht ein Loch. Gegen ein Dreiermittelfeld kann das Paar zudem in Unterzahl geraten, wenn der Zehner nicht hilft.
Ob eine Doppelsechs funktioniert, lässt sich beim Zuschauen mit drei Fragen prüfen: Gibt es für den ballführenden Innenverteidiger einen sicheren Pass, einen Weg nach vorn und Schutz für den nächsten Ballverlust? Zwei Sechser können diese Aufgaben teilen, müssen sie aber nicht automatisch besser lösen als ein anders besetztes Mittelfeld.
Eine Doppelsechs verbindet oft einen Absicherer mit einem Läufer. Der zweite Spieler ist dann näher am Achter: Er schiebt mit nach vorn und kommt in den Strafraum, während sein Partner vor der Abwehr bleibt.
Ob ein Team mit einem oder zwei Sechsern spielt, hat auf beiden Seiten seinen Preis: Absicherung vor der Abwehr gegen Spieler, die frei angreifen können. Der Vergleich ein Sechser oder Doppelsechs stellt beides nebeneinander.
Was ist der Unterschied zwischen Sechser und Achter?
Der Sechser spielt direkt vor der Abwehr und ist zuerst für Absicherung und Spielaufbau zuständig. Der Achter steht höher, verbindet Mittelfeld und Angriff und läuft häufiger in den Strafraum. In einer Doppelsechs übernimmt oft einer der beiden phasenweise Achter-Aufgaben, solange der andere absichert.
Ist eine Doppelsechs dasselbe wie ein Box-to-Box-Spieler?
Nein. Die Doppelsechs beschreibt ein Paar und eine Position vor der Abwehr, Box-to-Box beschreibt, was ein einzelner Spieler tut. Ein Box-to-Box-Spieler kann Teil einer Doppelsechs sein, solange sein Partner hält, wenn er nach vorn geht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Double pivot: football tactics explained — The Coaches' Voice
- The 4-2-3-1: football tactics explained — The Coaches' Voice