Formationen und Rollen · Analyse

Flügelspieler: der Angreifer auf der Außenbahn

Was macht ein Flügelspieler? Aufgaben mit und ohne Ball, Rechtsaußen und Linksaußen, der inverse Flügelspieler und Beispiele von Rahn bis Robben.

Ein Fußballfeld mit einer Mannschaft im 4-3-3; der Flügelspieler ist rot hervorgehoben, und die Außenbahn vor dem Außenverteidiger, die er abdeckt, ist schattiert.
Bild: Touchline Notes

Der Flügelspieler ist der Angreifer, der rechts oder links außen an der Seitenlinie spielt. Er soll den gegnerischen Außenverteidiger ausspielen und dann flanken, zurücklegen oder nach innen ziehen und selbst schießen.

Je nach Seite heißt er Rechtsaußen oder Linksaußen. In der klassischen Zählung trägt der Rechtsaußen die 7 und der Linksaußen die 11, wie die Übersicht der Positionen im Fußball zeigt. Auch Außenverteidiger und äußere Mittelfeldspieler spielen auf der Seite. Flügelspieler nennt man aber vor allem die offensiven Spieler dort.

Flügelspieler, Außenstürmer, Rechtsaußen

Die deutsche Wikipedia nennt zwei Paare von Wörtern. Linksaußen und Rechtsaußen bezeichnen die Seite. Außenstürmer und Flügelstürmer betonen den Angriff. Der Artikel zum Stürmer beschreibt Außenstürmer als offensive Spieler am linken und rechten Spielfeldrand, „vor allem für die Torvorbereitung vorgesehen“. Er fügt hinzu, dass man sie auch offensive Flügelspieler nennt und dann dem Mittelfeld zuordnet.

Diese Unschärfe ist typisch. Im 4-3-3 sind die Flügelspieler Stürmer neben dem Mittelstürmer. Im 4-2-3-1 stehen sie neben dem Zehner und gelten als offensive Mittelfeldspieler. Im 4-4-2 werden sie zu äußeren Mittelfeldspielern, die mehr nach hinten arbeiten. Der Name bleibt, der Auftrag ändert sich.

Was ein Flügelspieler mit Ball macht

Der Kern ist das Eins-gegen-eins mit dem gegnerischen Außenverteidiger. Gewinnt der Flügelspieler dieses Duell, hat er zwei Wege.

  • Nach außen: Er geht an der Linie vorbei bis zur Grundlinie und flankt oder legt flach zurück an die Strafraumgrenze.
  • Nach innen: Er zieht Richtung Strafraum, schießt oder spielt den Pass in den Halbraum und in die Zone 14.

Das Positionsprofil von talktics.de zählt dazu Flanken, Strafraumbesetzung, tiefe Läufe und den Abschluss nach dem Einrücken. Es nennt herausragende Schnelligkeit als Grundvoraussetzung, dazu Mut, Kreativität und Uneigennützigkeit.

Auch ohne Ballkontakt hat er eine Aufgabe. Bleibt er breit an der Linie, bindet er den gegnerischen Außenverteidiger. Dadurch wird die Abwehrkette auseinandergezogen, und im Zentrum entsteht Platz für Mittelfeldspieler und Mittelstürmer.

Was ein Flügelspieler ohne Ball macht

Der reine Angreifer, der nach Ballverlust stehen bleibt, ist selten geworden. Planet.training beschreibt die Flügelspieler gegen den Ball als Teil des Gegenpressings. Sie verschieben mit dem Ball und verhindern zusammen mit dem Außenverteidiger Angriffe über ihre Seite. Talktics.de nennt außerdem Anlaufen und Lenken des Gegners sowie das Einrücken, wenn der Ball auf der anderen Seite ist.

Im hohen Pressing läuft der Flügelspieler oft den gegnerischen Innenverteidiger an. Dabei stellt er mit seinem Laufweg den Pass auf den Außenverteidiger zu. Steht die Mannschaft tief, rückt er neben das Mittelfeld zurück, und aus dem 4-3-3 wird ein 4-5-1.

Klassischer und inverser Flügelspieler

Der klassische Flügelspieler spielt auf der Seite seines starken Fußes: der Rechtsfuß rechts, der Linksfuß links. Er sucht die Grundlinie und flankt. Sein natürlicher Partner ist ein kopfballstarker Mittelstürmer.

Der inverse Flügelspieler, auch invertierter Flügelspieler, spielt auf der „falschen“ Seite. Spielverlagerung.de beschreibt als typisches Muster das Nach-innen-Ziehen vom Flügel, abgeschlossen mit einem Torschuss mit dem starken Fuß oder einem tödlichen Pass. Als frühe Beispiele der 2000er-Jahre nennt die Seite Pires, Ronaldinho, Messi und Robben.

Das deutsche Musterbeispiel ist Bayern München. Die englische Wikipedia beschreibt, wie Bayern den Linksfuß Arjen Robben rechts und den Rechtsfuß Franck Ribéry links aufstellte. Robbens Bewegung kannte jeder Gegner: die rechte Seite hinunter, nach innen ziehen, Schuss mit links. Das Duo hieß „Robbery“. Im Champions-League-Finale 2013 in Wembley schoss Robben in der 89. Minute das 2:1 gegen Borussia Dortmund.

Später standen bei Bayern Spieler wie Kingsley Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané auf den Flügeln, die talktics.de als Beispiele nennt. Der Flügelspieler ist dort nicht nur Vorbereiter, sondern oft einer der wichtigsten Torschützen.

Rechtsaußen in der deutschen Geschichte

Im alten WM-System gab es zwei Außenstürmer. Den berühmtesten Moment eines deutschen Rechtsaußen gab es 1954. Helmut Rahn, „der Boss“, traf im Finale gegen Ungarn zweimal, das 3:2 in der 84. Minute. Bundestrainer Sepp Herberger nannte ihn einen Meister der positiven Improvisation.

Zwölf Jahre später gewann Borussia Dortmund den Europapokal der Pokalsieger. Rechtsaußen Reinhard „Stan“ Libuda schoss gegen den FC Liverpool in der 107. Minute das 2:1. Den Spitznamen hatte er nach Stanley Matthews, und über seine Dribblings hieß es: „An Gott kommt keiner vorbei, außer Stan Libuda.“

Jürgen Grabowski begann bei Eintracht Frankfurt als Rechtsaußen und wurde später Spielmacher im Zentrum. Bei der WM 1970 schlug er im Halbfinale gegen Italien die Flanke zum Ausgleich von Karl-Heinz Schnellinger. 1974 leitete er im Finale gegen die Niederlande mit einem Pass das 2:1 von Gerd Müller ein.

Raumdeuter und Flügelspieler, die keine sind

Nicht jeder, der auf dem Spielberichtsbogen rechts steht, ist ein Flügelspieler. Das bekannteste Beispiel ist Thomas Müller. Den Begriff „Raumdeuter“ hat er selbst geprägt. Die englische Wikipedia beschreibt den Raumdeuter als offensiven Spieler, der von außen startet und ins Zentrum zieht. Dort sucht er Räume, in denen er angespielt wird und Tore schießt oder vorbereitet. Seine Stärke lag im Spiel ohne Ball: Laufwege, Timing und Stellungsspiel.

Das Gegenstück ist der äußere Mittelfeldspieler im 4-4-2. Er flankt auch, muss aber fast so viel verteidigen wie angreifen.

Der Flügelspieler im Spielsystem

Flügelspieler und Außenverteidiger arbeiten als Paar. Zieht der Flügelspieler nach innen, wird die Linie frei, und der Außenverteidiger kann hinterlaufen. Dann hat der gegnerische Außenverteidiger zwei Gegenspieler, eine klassische Überzahl. Bleibt der Flügelspieler breit, läuft der Außenverteidiger innen an ihm vorbei oder rückt als inverser Außenverteidiger ins Mittelfeld ein.

Mit einer Dreierkette übernehmen oft die Flügelverteidiger die Breite. Die offensiven Außen spielen dann enger, näher an der Spitze, als Halbraumspieler.

Wie gefährlich ein Flügelspieler ist, zeigen Daten wie erwartete Assists (xA) für Flanken und Rückpässe und Strafraumeintritte für Dribblings und Pässe in den Sechzehner.

Woran man den Flügelspieler im Spiel erkennt

Am besten schaut man auf die erste Ballannahme. Nimmt er den Ball an der Linie an und geht nach außen, ist er ein klassischer Flügelspieler. Dreht er sich nach innen auf seinen starken Fuß, ist er ein inverser Flügelspieler. Dann lohnt der Blick auf den Außenverteidiger hinter ihm: Läuft er jedes Mal außen vorbei, wenn der Flügelspieler einrückt, funktioniert das Paar wie geplant.

Was macht ein Flügelspieler im Fußball?

Ein Flügelspieler greift über die rechte oder linke Außenbahn an. Er versucht, den gegnerischen Außenverteidiger auszuspielen, und flankt dann oder zieht nach innen und schießt. Gegen den Ball presst er mit und hilft seinem Außenverteidiger.

Was ist ein inverser Flügelspieler?

Ein inverser Flügelspieler spielt auf der Seite seines schwächeren Fußes, also ein Linksfuß rechts oder ein Rechtsfuß links. Statt an der Grundlinie zu flanken, zieht er nach innen und schießt oder passt mit dem starken Fuß. Arjen Robben bei Bayern ist das bekannteste Beispiel.

Welche Nummer hat ein Flügelspieler?

Klassisch trägt der Rechtsaußen die 7 und der Linksaußen die 11. Die Nummern stammen aus der Zeit, als die beiden Außenstürmer fest auf ihren Seiten spielten. Heute sind Rückennummern frei gewählt.

Was ist der Unterschied zwischen Flügelspieler und Flügelverteidiger?

Der Flügelspieler ist ein Angreifer und spielt weit vorn an der Seitenlinie. Der Flügelverteidiger spielt vor einer Dreierkette und besetzt die ganze Seite allein, vom eigenen Strafraum bis zum gegnerischen. Er verteidigt deshalb deutlich mehr.

Was ist ein Raumdeuter?

Raumdeuter ist ein Wort, das Thomas Müller für sich selbst geprägt hat. Gemeint ist ein Spieler, der oft von außen startet, aber ins Zentrum zieht und freie Räume findet. Er lebt von Laufwegen und Timing statt von Dribblings.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Flügelspieler — Wikipedia (de)
  2. Stürmer (Fußball) — Wikipedia (de)
  3. Positionsprofil: Flügelspieler — talktics
  4. Stürmer: Inverted Winger — Spielverlagerung
  5. Reinhard Libuda — Wikipedia (de)