Formationen und Rollen · Analyse

Flügelverteidiger und Außenverteidiger: dieselbe Seite, andere Aufgabe

Der Flügelverteidiger bearbeitet vor einer Dreierkette die ganze Seite allein, der Außenverteidiger teilt sie in der Viererkette. Mit Tabelle und Grafik.

Zwei Spielfelder nebeneinander. Links ein 3-5-2, beide Flügelverteidiger rot, mit langem Pfeil die linke Seite hinauf. Rechts ein 4-3-3, beide Außenverteidiger rot, mit kürzerem Pfeil auf der linken Seite.
Bild: Touchline Notes

Ein Außenverteidiger ist der äußere Abwehrspieler einer Viererkette und teilt seine Seite mit einem Flügelspieler vor ihm. Ein Flügelverteidiger spielt neben einer Dreierkette, hat keinen Flügelspieler vor sich und bearbeitet die ganze Außenbahn allein, deshalb startet er höher und trägt mehr vom Angriff.

Beide spielen an der Seitenlinie, beide sollen verteidigen und angreifen. Deshalb werden die Begriffe im Deutschen oft gleichgesetzt, und manche Erklärseiten behandeln sie sogar als Synonyme. Der Unterschied liegt darin, wer neben und vor ihnen steht. Für den Flügelverteidiger sind außerdem „Wingback“ und „Schienenspieler“ verbreitet. Die Artikel über den Flügelverteidiger und den Außenverteidiger behandeln jede Rolle ausführlich. Diese Seite stellt beide nebeneinander.

Flügelverteidiger Außenverteidiger
Wo er steht Breit, oft auf Höhe des Mittelfelds oder höher Breit in der Abwehrlinie, neben einem Innenverteidiger
Wer neben ihm steht Drei Innenverteidiger innen Zwei Innenverteidiger innen, ein Flügelspieler oder äußerer Mittelfeldspieler davor
Hauptaufgabe Gibt der Mannschaft im Angriff die Breite Verteidigt zuerst seine Seite, unterstützt den Angriff, wenn er kann
Gegen den Ball Fällt zurück, aus der Dreier- wird eine Fünferkette Hält eine Viererkette
Typische Systeme 3-5-2, 3-4-3, 3-4-2-1, 5-3-2, 5-4-1 4-3-3, 4-2-3-1, 4-4-2
Andere Namen Wingback, Schienenspieler Rechtsverteidiger, Linksverteidiger
Bekanntes Beispiel Jeremie Frimpong bei Bayer Leverkusen Philipp Lahm

Die Ausgangshöhe

Am einfachsten unterscheidet man die beiden daran, wo sie bei eigenem Ballbesitz stehen. Ein Außenverteidiger beginnt in der Abwehrlinie und rückt von dort auf. Ein Flügelverteidiger beginnt meist in der Mittelfeldreihe. Die englische Wikipedia hält fest, dass Flügelverteidiger manchmal eher zu den Mittelfeldspielern als zu den Verteidigern gezählt werden.

Möglich macht das der zusätzliche Innenverteidiger. Laut Coaches’ Voice hat der Flügelverteidiger einen dritten zentralen Verteidiger als Absicherung und kann deshalb auch gegen den Ball breiter stehen. Ein Außenverteidiger, der genauso hoch schiebt, lässt seinen Innenverteidiger im Kanal allein.

Der SC Freiburg beschreibt den Schienenspieler in seiner „Kleinen Taktikschule“ als Spieler, der den Flügel über die komplette Länge des Platzes bedient und Angriff wie Abwehr oft relativ allein bewältigt. Auch Außenverteidiger einer Viererkette können so spielen, sagt Freiburgs Martin Schweizer dort. Die klassischen Grundordnungen für Schienenspieler seien aber die mit Dreier- und Fünferkette.

Mit Ball

Ein Flügelverteidiger liefert fast immer die Breite. In einer Dreierkette steht meist niemand sonst an der Linie. Rückt er ein, ist die Seite leer. Seine Aufgabe ist es, breit und hoch zu stehen, die gegnerische Kette auseinanderzuziehen und so den Halbraum für die Spieler innen neben ihm zu öffnen.

Ein Außenverteidiger hat mehr Möglichkeiten, weil der Flügelspieler die Breite übernehmen kann. Er kann ihn hinterlaufen, innen an ihm vorbeistarten oder hinten bleiben. Coaches’ Voice fasst den Gegensatz so zusammen: In einer Viererkette rücken die Außenverteidiger manchmal ein, während Mittelfeldspieler breit bleiben. In einer Fünferkette sind die Flügelverteidiger fast immer die breitesten Spieler.

Deshalb sind viele Flügelverteidiger umgeschulte Flügelspieler. Coaches’ Voice nennt Victor Moses, Ashley Young, Juan Cuadrado, Jesús Navas und Ivan Perišić.

Gegen den Ball

Die Defensivarbeit des Flügelverteidigers ist ein langer Weg zurück. Verteidigt die Mannschaft tief, lassen sich beide Flügelverteidiger neben die drei Innenverteidiger fallen, und die Ordnung wird zur Fünferkette, ein 5-3-2 oder ein 5-4-1. Das deckt die Breite des Strafraums ab, lässt aber weniger Spieler fürs Pressing.

Die Defensivarbeit des Außenverteidigers liegt näher am eigenen Tor. Laut deutscher Wikipedia ist es seine Hauptaufgabe, seitliche Hereingaben zu verhindern und das Spiel von hinten zu eröffnen. Er stellt sich dem gegnerischen Flügelspieler, hält die Linie mit den Innenverteidigern und rückt am langen Pfosten ein. Dazu hat er Hilfe: Im 4-4-2 steht ein äußerer Mittelfeldspieler vor ihm. Ein Flügelverteidiger hat diese Hilfe meist nicht, Angriff und Abwehr lasten auf einem Spieler.

Welche Systeme welche Rolle nutzen

Flügelverteidiger gehören zu Systemen mit drei Innenverteidigern:

Außenverteidiger gehören zu Viererketten:

  • 4-3-3 (Formationsseite): Die Flügelstürmer bleiben oft vorn, die Außenverteidiger verteidigen mit weniger Hilfe.
  • 4-2-3-1 (Formationsseite): Die äußeren offensiven Mittelfeldspieler stehen vor ihnen, die Doppelsechs sichert ab.
  • 4-4-2 (Formationsseite): ein äußerer Mittelfeldspieler vor jedem Außenverteidiger.

Beispiele

Das WM-Finale 2002 in Yokohama zeigt Dreierketten auf beiden Seiten. Laut englischer Wikipedia spielten beide Mannschaften mit drei Innenverteidigern. Bei Brasilien liefen Cafu rechts und Roberto Carlos links als Flügelverteidiger, bei Deutschland spielten Torsten Frings rechts und Marco Bode links im Mittelfeld, vor Thomas Linke, Carsten Ramelow und Christoph Metzelder. Brasilien gewann 2:0.

Das deutlichste Bundesliga-Beispiel der jüngeren Zeit ist Bayer Leverkusen 2023/24. Laut bundesliga.com spielte Xabi Alonso ein 3-4-2-1, in dem Jeremie Frimpong auf der rechten Seite weit aufrücken konnte. Leverkusen blieb als erste Mannschaft eine ganze Bundesliga-Saison ungeschlagen, holte 90 Punkte und den DFB-Pokal. Der SC Freiburg nennt neben Frimpong auch Benjamin Henrichs, Christian Günter und Noah Weißhaupt als Spieler mit Schienenspieler-Profil.

Für den Außenverteidiger nennt die englische Wikipedia Brasilien in den 1950er-Jahren mit Djalma Santos und Nílton Santos als Pioniere der offensiven Spielweise. Die deutsche Wikipedia zählt Philipp Lahm, Roberto Carlos, Dani Alves und Trent Alexander-Arnold zu den bekannten Außenverteidigern.

Der inverse Außenverteidiger

Die moderne Variante zieht in die andere Richtung. Ein inverser Außenverteidiger rückt bei eigenem Ballbesitz ins zentrale Mittelfeld ein, statt breit zu gehen. Die englische Wikipedia führt die Idee auf Johan Cruyffs Barcelona zurück. Bekannt machte sie Pep Guardiola beim FC Bayern mit Philipp Lahm und David Alaba und später bei Manchester City.

Die beiden Rollen haben sich also auseinanderentwickelt. Ein Flügelverteidiger ist so breit wie kaum ein anderer Spieler. Ein inverser Außenverteidiger ist mit Ball vielleicht der engste Verteidiger. Das Risiko beschreibt die englische Wikipedia: Der Mannschaft kann Breite fehlen, und die Flügelspieler werden isoliert.

Woran man sie im Spiel unterscheidet

Am besten zählt man die Innenverteidiger, wenn der Torwart den Ball hat. Drei bedeuten, dass die äußeren Spieler Flügelverteidiger sind. Zwei bedeuten Außenverteidiger. Dann lohnt der Blick auf die Seitenlinie in der gegnerischen Hälfte. Steht dort nur der Spieler aus der eigenen Abwehrreihe, ist er ein Flügelverteidiger. Hält ein Flügelspieler die Linie und kommt der Verteidiger dahinter, hinterläuft oder rückt ein, ist er ein Außenverteidiger.

Gegen den Ball bestätigt sich das Bild. Flügelverteidiger fallen auf Höhe der drei Innenverteidiger zurück, es entsteht eine Fünferkette. Außenverteidiger bleiben in einer Viererkette mit einem Mittelfeldspieler davor.

Wann ein Trainer welche Rolle wählt

Flügelverteidiger wählt ein Trainer, wenn er einen dritten Innenverteidiger will und trotzdem Breite braucht, und wenn er Außenspieler hat, die die Seite neunzig Minuten lang laufen können. Laut Coaches’ Voice müssen Flügelverteidiger extrem fit und schnell sein, um an beiden Enden des Platzes mitzuwirken. Außenverteidiger wählt er, wenn er echte Flügelspieler hat und lieber einen Spieler mehr im Mittelfeld oder Angriff aufstellt als einen dritten Innenverteidiger. Den Außenverteidiger kann er dann hinterlaufen, hinten bleiben oder einrücken lassen, je nach Flügelspieler vor ihm.

Was ist der Unterschied zwischen Flügelverteidiger und Außenverteidiger?

Ein Außenverteidiger spielt in einer Viererkette mit einem Flügelspieler vor sich. Ein Flügelverteidiger spielt neben einer Dreierkette, bearbeitet die ganze Seite allein und startet höher. Er trägt mehr vom Angriff, der Außenverteidiger teilt sich die Seite.

Ist ein Flügelverteidiger Verteidiger oder Mittelfeldspieler?

Beides, je nach Spielphase. Mit Ball spielt er in der Mittelfeldreihe oder höher, gegen den Ball fällt er in die Fünferkette zurück. Deshalb lässt sich dieselbe Mannschaft als 3-5-2 oder als 5-3-2 aufschreiben.

Was ist ein Schienenspieler?

Schienenspieler ist ein anderes deutsches Wort für den Flügelverteidiger oder Wingback. Er bearbeitet seine Außenbahn über die ganze Länge des Platzes, meist in Systemen mit Dreier- und Fünferkette.

Welche Systeme spielen mit Flügelverteidigern?

Systeme mit drei Innenverteidigern: das 3-5-2, das 3-4-3 und das 3-4-2-1, dazu ihre tieferen Varianten 5-3-2 und 5-4-1. Viererketten wie das 4-3-3, das 4-2-3-1 und das 4-4-2 spielen dagegen mit Außenverteidigern.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Kleine Taktikschule: Der Schienenspieler — SC Freiburg
  2. Außenverteidiger — Wikipedia
  3. Wing-backs: Football Tactics Explained — Coaches' Voice
  4. Xabi Alonso and Bayer Leverkusen: from firefighting relegation to the title — Bundesliga
  5. Defender (association football) — Wikipedia (Englisch)