Formationen und Rollen · Analyse

3-4-3-System: Dreierkette, Flügelverteidiger und drei Angreifer

Das 3-4-3 spielt mit Dreierkette, zwei Flügelverteidigern, einer Doppelsechs und drei Angreifern. Wie es angreift, presst und wo es verwundbar ist.

Diagramm eines 3-4-3 auf dem Spielfeld: drei Innenverteidiger, zwei Flügelverteidiger und eine Doppelsechs, die drei Angreifer vorn rot hervorgehoben.
Bild: Touchline Notes

Das 3-4-3 ist ein Spielsystem mit drei Innenverteidigern, zwei Flügelverteidigern, zwei zentralen Mittelfeldspielern und drei Angreifern. Mit hohen Flügelverteidigern greift es mit fünf Spielern über die ganze Breite an, gegen den Ball wird daraus ein 5-4-1 oder 5-2-3.

Es ist die offensivste Form der Dreierkette. Das 3-5-2 hat einen dritten zentralen Mittelfeldspieler und zwei Stürmer. Das 3-4-3 opfert diesen Mittelfeldspieler für einen dritten Angreifer. Bundesliga.com fasst es knapp zusammen: Mit drei Stürmern ist die Ausrichtung offensiv.

Die Positionen im Überblick

Die Dreierkette. Ein zentraler und zwei seitliche Innenverteidiger, im deutschen Sprachgebrauch oft Halbverteidiger genannt. Der mittlere organisiert die Linie und kümmert sich um den Mittelstürmer. Die beiden äußeren müssen mehr können als verteidigen. Mit Ball tragen sie ihn ins Mittelfeld und spielen Pässe auf die Angreifer. Gegen den Ball werden sie an die Seitenlinie gezogen. Die deutsche Wikipedia betont, dass die Abwehrspieler im Spielaufbau hohe Ballsicherheit brauchen.

Die Flügelverteidiger. Die Flügelverteidiger, oft auch Schienenspieler genannt, sind die einzigen Spieler, die ihre Seite in voller Breite verantworten. Im Angriff halten sie die Linie, hinterlaufen den Vordermann und kommen am langen Pfosten an. Gegen den Ball sind sie der vierte und fünfte Verteidiger. Kein Spieler im System läuft mehr.

Die Doppelsechs. Zwei zentrale Mittelfeldspieler nebeneinander. Die Doppelsechs verbindet Dreierkette und Angriff: Sie nimmt Bälle von den Innenverteidigern an, verlagert von einem Flügelverteidiger zum anderen und spielt in die Spitze. Gegen den Ball muss sie eng bleiben, denn sie ist der einzige zentrale Schutz vor der Abwehr. Oft ist einer der beiden ein klassischer Sechser, der andere ein beweglicher Passgeber.

Die Dreierreihe vorn. Es gibt zwei gängige Varianten. In der engen, oft als 3-4-2-1 geschrieben, spielen zwei Zehner in den Halbräumen hinter einem Mittelstürmer. In der breiten stehen zwei Flügelspieler auf einer Höhe mit der Spitze. Eine dritte Option ist eine falsche Neun, die sich fallen lässt und einen Innenverteidiger herauszieht.

So greift das 3-4-3 an

Die entscheidende Zahl ist fünf. Mit beiden Flügelverteidigern hoch und drei Angreifern davor besetzt das 3-4-3 jede Längsbahn des Feldes mit einem Spieler. Eine Viererkette hat nur vier. Irgendwo entsteht eine Überzahl: Entweder rückt ein Außenverteidiger ein und lässt den Flügelverteidiger frei, oder er bleibt außen und öffnet eine Lücke zum Innenverteidiger.

Die enge Variante sucht die Überzahl im Zentrum. Zwei Zehner hinter einer Spitze geben drei Spieler zwischen gegnerischem Mittelfeld und Abwehr, das ist für eine Doppelsechs unangenehm. Die breite Variante zieht das Feld auseinander. Laut Coaches' Voice rückten unter Thomas Tuchel bei Chelsea die Flügelverteidiger auf und rotierten mit den beiden Zehnern, um in Abschlusspositionen zu kommen.

Der Spielaufbau beginnt mit den drei Innenverteidigern. Gegen zwei anlaufende Stürmer gibt es hinten fast immer einen freien Mann, und die Halbverteidiger können mit Ball ins Mittelfeld andribbeln.

So verteidigt und presst das 3-4-3

Gegen den Ball fallen die Flügelverteidiger in eine Fünferkette zurück. Lassen sich auch die äußeren Angreifer fallen, entsteht ein 5-4-1 mit zwei kompakten Reihen. Bleiben sie vorn, verteidigt die Mannschaft im 5-2-3 und hat drei Spieler für Pressing oder Konter.

Wie aggressiv das ist, entscheidet die vorderste Reihe. Lenkt die vordere Reihe das Spiel nach außen, hilft die Grundordnung: Ist der Ball an der Seitenlinie, kann der Flügelverteidiger auf den Außenverteidiger herausrücken und der Halbverteidiger auf den Flügelspieler, während dahinter noch vier Spieler stehen. Die Doppelsechs und die Dreierkette bilden zudem eine stabile Restverteidigung.

Wer das System geprägt hat

Die deutsche Wikipedia beschreibt einen Wandel. Lange galt das 3-4-3 als riskant und wurde fast nur von Mannschaften gespielt, die zurücklagen. Ende der 2010er-Jahre erlebte es eine Renaissance.

Das bekannteste Beispiel dafür ist Antonio Contes Chelsea. Laut der Premier League stellte Conte am 7. Spieltag der Saison 2016/17 gegen Hull City von einem 4-1-4-1 auf ein 3-4-3 um. Marcos Alonso und Victor Moses spielten erstmals als Flügelverteidiger, Eden Hazard und Willian agierten zentral hinter der Spitze. Chelsea gewann 2:0 und ließ nur drei Schüsse im eigenen Strafraum zu. Coaches' Voice beschreibt, wie Conte mit diesem System Meister wurde: Diego Costa vorn, N'Golo Kanté und Nemanja Matić davor, Alonso und Moses auf den Flügeln.

Der deutsche Bezug heißt Thomas Tuchel. Mit Chelsea gewann er im Mai 2021 die Champions League, 1:0 im Finale gegen Manchester City. Im Finale spielte seine Mannschaft mit Dreierkette um César Azpilicueta, Thiago Silva und Antonio Rüdiger, dazu Reece James und Ben Chilwell als Flügelverteidiger. Laut Coaches' Voice schoben diese hoch, während Zehner wie Mason Mount sich fallen ließen oder auswichen.

Stärken und Schwächen

Die Stärken sind Balance und Zahlen. Fünf Spieler greifen an, drei Innenverteidiger und zwei Sechser bleiben hinter dem Ball. Eine enge Dreierreihe vorn kann nach Ballverlust sofort ins Gegenpressing, weil sie schon nah beieinander steht. Und das Spiel über außen zieht jede Viererkette auseinander.

Die Schwächen liegen an denselben Stellen. Laut der englischen Wikipedia hat der Gegner mit nur drei echten Verteidigern bessere Chancen, sobald er das Mittelfeld überspielt. Coaches' Voice ergänzt, dass drei Verteidiger weniger Breite abdecken als vier. Konter in die Räume neben der Dreierkette tun deshalb weh. Die Doppelsechs kann nach Ballverlust in Unterzahl geraten. Und die Flügelverteidiger tragen eine riesige Last: Werden sie müde oder nach hinten gedrückt, wird aus dem 3-4-3 ein passives 5-4-1.

Mit und ohne Ball

Mit Ball ist das 3-4-3 oft ein 3-2-5: drei Innenverteidiger, die Doppelsechs und fünf Spieler vorn. Ohne Ball ist es ein 5-4-1 oder 5-2-3. Die deutsche Wikipedia nennt außerdem verschiedene Formen des Mittelfelds: als Raute, als Quadrat oder flach. Auch ein 4-3-3 kann mit Ball zum 3-4-3 werden, wenn sich der Sechser fallen lässt oder ein Außenverteidiger aufrückt.

So erkennst und bespielst du ein 3-4-3

Schau auf die Flügel. Deckt auf jeder Seite ein Spieler die ganze Bahn ab und fächern die Innenverteidiger beim Abstoß weit auf, ist es eine Dreierkette. Stehen davor nur zwei zentrale Mittelfeldspieler und drei Angreifer, ist es ein 3-4-3.

Um es zu bespielen, bindet man die Flügelverteidiger. Ein Flügelstürmer, der hoch bleibt, zwingt sie zum Verteidigen. Ein Läufer in die Schnittstelle zwischen Flügel- und Halbverteidiger zieht einen Innenverteidiger an die Seitenlinie. Schnelle Verlagerungen dehnen eine Dreierkette, die nicht so schnell verschieben kann wie eine Viererkette. Und ein Mittelfeld mit drei Spielern kann die Doppelsechs überladen.

Was ist der Unterschied zwischen 3-4-3 und 3-5-2?

Beide spielen mit drei Innenverteidigern und zwei Flügelverteidigern. Das 3-4-3 hat zwei zentrale Mittelfeldspieler und drei Angreifer, das 3-5-2 drei zentrale Mittelfeldspieler und zwei Stürmer. Das 3-4-3 ist meist offensiver, das 3-5-2 im Zentrum stabiler.

Ist das 3-4-3 ein defensives System?

Mit Ball nicht. Mit hohen Flügelverteidigern greifen fünf Spieler an, nur drei Innenverteidiger und zwei Sechser bleiben hinten. Gegen den Ball wird es zur Fünferkette und kann deshalb auch tief verteidigen.

Was ist ein 3-4-2-1?

Die enge Variante des 3-4-3. Statt zwei Flügelspielern stehen zwei Zehner in den Halbräumen hinter einem Mittelstürmer. Contes Chelsea wurde in der Premier League so beschrieben, sobald es den Ball hatte.

Was ist ein Halbverteidiger?

So heißen die beiden äußeren Innenverteidiger einer Dreierkette. Sie verteidigen die Räume neben dem zentralen Mann und tragen den Ball im Aufbau nach vorn.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Spielsystem (Fußball) — Wikipedia
  2. Fußball-Aufstellung: Erklärung und Bezeichnungen — Bundesliga.com
  3. The 3-4-3 formation: football tactics explained — Coaches' Voice
  4. Chelsea change of shape puts Alonso on radar — Premier League
  5. 2021 UEFA Champions League final — Wikipedia