Formationen und Rollen · Analyse

5-4-1-System: neun hinter dem Ball und einer vorn

Das 5-4-1 stellt eine Fünferkette, vier Mittelfeldspieler und eine Spitze auf. Wie es tief verteidigt, wo es kontert und wie man es bespielt.

Diagramm eines 5-4-1 auf dem Spielfeld: die Fünferkette rot hervorgehoben, davor eine flache Viererreihe im Mittelfeld und eine einzelne Spitze.
Bild: Touchline Notes

Das 5-4-1 ist ein defensives Spielsystem mit fünf Verteidigern, vier Mittelfeldspielern und einem Stürmer. Meist ist es die Ordnung gegen den Ball eines 3-4-3 oder 3-4-2-1: Die Flügelverteidiger fallen in die Abwehrkette, die beiden Spieler hinter der Spitze ins Mittelfeld.

Der zweite Satz ist wichtiger als der erste. Kaum ein Trainer schreibt 5-4-1 auf den Spielberichtsbogen. Er stellt eine Dreierkette mit Flügelverteidigern und zwei Spielern hinter einem Mittelstürmer auf, und das 5-4-1 ist das, was diese Mannschaft zeigt, wenn der Gegner den Ball hat: zwei kompakte Reihen über die ganze Breite, neun Feldspieler hinter dem Ball, einer vorn für den Konter. Die deutsche Wikipedia nennt 5-4-1 und 4-5-1 stark defensiv ausgerichtet, mit dem Ziel, Ergebnisse zu halten und Konter zu nutzen.

Die Positionen im Überblick

Die Fünferkette besteht aus drei Innenverteidigern und zwei Flügelverteidigern. Der mittlere hält die Linie und kümmert sich um den Stürmer. Die beiden Halbverteidiger decken die Schnittstellen und verfolgen Läufe hinter den Flügelverteidiger ihrer Seite. Weil es einen freien Mann gibt, kann ein Halbverteidiger auch einem Stürmer ins Mittelfeld folgen. Ein Innenverteidiger in einer Viererkette kann sich das selten leisten.

Die Flügelverteidiger sind das Scharnier. Gegen den Ball sind sie Außenverteidiger in einer Fünferreihe, zuständig für Flanken und Eins-gegen-eins. Mit einem dritten Innenverteidiger hinter sich können sie freier herausrücken als ein klassischer Außenverteidiger.

Die Viererreihe im Mittelfeld besteht meist aus zwei zentralen und zwei äußeren Spielern. Das zentrale Duo ist oft ein Sechser mit einem beweglicheren Partner, eine Doppelsechs, die vor allem Verbindung zur Abwehr halten muss. Die äußeren sind mit Ball die Spieler hinter der Spitze: Flügelspieler oder Zehner, die mit zurückgearbeitet haben.

Der Mittelstürmer hat die härteste Aufgabe. Er muss Pässe auf den gegnerischen Sechser zustellen, quer vor den Innenverteidigern laufen und nach Ballgewinn noch die Kraft haben, den Ball festzumachen oder in die Tiefe zu starten. Alle Rollen erklärt der Überblick über die Positionen im Fußball.

So verteidigt das 5-4-1

Das 5-4-1 ist die natürliche Ordnung für einen tiefen Abwehrblock. Eine Fünferkette hilft dabei doppelt. Erstens decken fünf Verteidiger die Breite ab, ohne dass die Innenverteidiger auseinandergezogen werden. Zweitens gibt der zusätzliche Innenverteidiger einen freien Mann gegen einen Stürmer und Absicherung gegen zwei.

Die Viererreihe davor schirmt ab. Sie hält die Abstände zwischen den Linien kurz und schließt die Halbräume, also die Zonen zwischen äußeren und zentralen Verteidigern, in denen gegen tiefe Blöcke die meisten Chancen entstehen. Geht der Ball nach außen, verschiebt die ganze Ordnung: Der Flügelverteidiger attackiert den Flügelspieler, der äußere Mittelfeldspieler doppelt, der Halbverteidiger sichert den Lauf nach innen ab. Ziel ist, den Ball an der Seitenlinie festzusetzen.

So greift das 5-4-1 an

Das 5-4-1 greift vor allem über das Umschaltspiel an. Der erste Pass geht meist auf die Spitze oder auf einen der äußeren Mittelfeldspieler, die nach Ballgewinn sofort zum Angriffsduo hinter dem Stürmer werden. In diesem Moment wird aus dem 5-4-1 wieder ein 3-4-2-1.

Die Flügelverteidiger sind die zweite Welle. Kommen sie mit, entsteht vorn eine Fünferreihe, die jede Viererkette dehnt. Das Problem ist die Strecke: Ein Flügelverteidiger, der eben noch am eigenen Strafraum verteidigt hat, muss sehr weit laufen.

Wer das System geprägt hat

Das berühmteste Beispiel hat einen deutschen Trainer. Otto Rehhagel führte Griechenland zum EM-Titel 2004, laut der deutschen Wikipedia eine der größten Überraschungen der europäischen Fußballgeschichte. Rehhagel setzte auf einen Libero und Manndeckung, wie schon bei Werder Bremen und Kaiserslautern. Die englische Wikipedia beschreibt Griechenlands 5-4-1: gegen Mannschaften mit zwei Stürmern gewählt, um einen Innenverteidiger mehr zu haben. In der ersten Halbzeit sollte der Gegner neutralisiert werden, in der zweiten suchte man das Tor.

Die K.-o.-Runde lief nach genau diesem Muster. Griechenland schlug Frankreich 1:0, Tschechien 1:0 durch ein Silver Goal von Traianos Dellas und im Finale Portugal 1:0 durch Angelos Charisteas. Die griechischen Medien nannten Rehhagel danach „Rehakles“.

Das einflussreichste moderne Beispiel ist Antonio Contes Chelsea. Laut der Premier League stellte Conte am 7. Spieltag 2016/17 gegen Hull City von einem 4-1-4-1 auf ein 3-4-3 um, nach zwei Niederlagen in Folge. Marcos Alonso und Victor Moses spielten als Flügelverteidiger, Eden Hazard und Willian zentral hinter der Spitze. Hull kam nur auf drei Schüsse im Strafraum. Coaches' Voice beschreibt, dass ein solches 3-4-3 gegen den Ball zum 5-4-1 oder 5-2-3 wird.

Stärken und Schwächen

Die Stärken sind Zahlen und Abdeckung. Fünf Verteidiger und vier Mittelfeldspieler lassen wenig Raum zwischen und hinter den Linien. Der freie Innenverteidiger fängt Fehler auf, die Flügelverteidiger können außen pressen, ohne die Kette zu öffnen. Gegen zwei Stürmer steht hinten ein Drei-gegen-zwei, gegen einen sogar zwei freie Verteidiger.

Die Schwächen kommen aus denselben Entscheidungen. Mit nur einem Angreifer kommt der Ball schnell zurück, wenn der Stürmer ihn nicht halten kann. Die Flügelverteidiger müssen die ganze Länge des Feldes bearbeiten, und schaffen sie das nicht, kommt die Mannschaft nicht mehr aus der eigenen Hälfte. Laut Coaches' Voice deckt eine Dreierkette weniger Breite ab als eine Viererkette, Konter zielen deshalb auf den Raum hinter einem aufgerückten Flügelverteidiger. Und das zentrale Duo kann nach Ballverlust in Unterzahl geraten.

Mit und ohne Ball

Das 5-4-1 ist eher ein Familienname als ein einzelnes System. Mit Ball ist es meist eine von drei Ordnungen:

Mit Ball Was sich ändert Gegen den Ball
3-4-3 Die äußeren Angreifer fallen ins Mittelfeld 5-4-1
3-4-2-1 Die beiden Zehner rücken nach außen 5-4-1
3-5-2 Ein Stürmer lässt sich ins Mittelfeld fallen 5-4-1 oder 5-3-2

Ein 3-4-3 kann auch im 5-2-3 verteidigen, mit drei Angreifern, die hoch pressen. Die Wahl zwischen beiden ist eine Wahl, wo verteidigt wird: Das 5-2-3 erobert den Ball höher, lässt aber das zentrale Duo allein. Das 5-4-1 gibt Gelände auf, um die Mitte zu schützen.

So erkennst und bespielst du ein 5-4-1

Zähl die Abwehrkette, wenn der Gegner den Ball tief in seiner Hälfte hat. Stehen dort fünf Spieler, und zwei davon standen eine Minute vorher im Mittelfeld, verteidigt die Mannschaft mit Fünferkette. Das zweite Zeichen ist der Stürmer: Ist er der einzige Spieler vor dem Ball, ist die zweite Reihe eine Viererreihe.

Gegen ein 5-4-1 helfen vor allem Breite und Tempo. Seitenverlagerungen zwingen beide Reihen zu langen Wegen, und eine schnelle Verlagerung findet oft einen Flügelspieler im Eins-gegen-eins mit dem Flügelverteidiger. Hohe, breite Angreifer binden die Flügelverteidiger, dann bleibt der Stürmer beim Konter allein. Spieler, die zwischen Viererreihe und Fünferkette anspielbar sind, zwingen einen Innenverteidiger zum Herausrücken, und ein Läufer in die entstandene Lücke ist der klassische Weg durch. Wer dabei hinten genug Spieler lässt, nimmt dem Gegner den Konter: Eine gute Restverteidigung macht Geduld gegen einen tiefen Block erst möglich.

Ist das 5-4-1 ein defensives System?

Ja, insofern es neun Feldspieler hinter den Ball bringt. Die meisten Mannschaften, die im 5-4-1 verteidigen, greifen aber im 3-4-3 oder 3-4-2-1 an. Die Bezeichnung beschreibt also die Ordnung gegen den Ball, nicht den ganzen Plan.

Was ist der Unterschied zwischen 5-4-1 und 5-3-2?

Das 5-4-1 hat einen Stürmer und vier Mittelfeldspieler, das 5-3-2 zwei Stürmer und drei Mittelfeldspieler. Das 5-4-1 deckt die Breite im Mittelfeld besser ab, das 5-3-2 lässt zwei Spieler für den Konter vorn. Ein 3-5-2 verteidigt meist im 5-3-2, ein 3-4-3 im 5-4-1.

Warum spielen Mannschaften ein 5-4-1?

Meist, weil sie weniger Ballbesitz erwarten, eine Führung halten wollen oder gegen zwei Stürmer einen Mann mehr hinten brauchen. Griechenland nutzte es bei der EM 2004 genau aus dem letzten Grund. Die Fünferkette gibt den Flügelverteidigern außerdem Freiheit, außen zu pressen, ohne die Mitte zu öffnen.

Mit welchem System wurde Griechenland 2004 Europameister?

Laut der englischen Wikipedia mit einem 5-4-1, das einen zusätzlichen Innenverteidiger gegen Doppelspitzen brachte. Otto Rehhagel kombinierte es mit Libero und Manndeckung. Alle drei K.-o.-Spiele gewann Griechenland mit 1:0.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Otto Rehhagel — Wikipedia
  2. Formation (association football) — Wikipedia
  3. Chelsea change of shape puts Alonso on radar — Premier League
  4. The 3-4-3 formation: football tactics explained — Coaches' Voice
  5. Spielsystem (Fußball) — Wikipedia