Formationen und Rollen · Analyse
Inverser Flügelspieler: der Außenstürmer, der auf seinen starken Fuß nach innen zieht
Ein inverser Flügelspieler spielt auf der Seite seines schwachen Fußes und zieht zum Schuss nach innen. Mit Tabelle, 4-3-3-Grafik und Robben als Beispiel.
Ein inverser Flügelspieler ist ein Außenstürmer, der auf der Seite seines schwächeren Fußes spielt, etwa ein Linksfuß auf rechts. Statt an der Linie entlang zur Flanke zu gehen, zieht er nach innen auf seinen starken Fuß, um zu schießen, zu passen oder zu kombinieren.
Man liest auch „invertierter Flügelspieler“, und Spielverlagerung.de führt die Rolle unter dem englischen Namen „Inverted Winger“, mit den Synonymen „Inside-out-Winger“ und „Inverse Winger“. Der Artikel über den Flügelspieler erklärt den Grundunterschied zwischen klassischem und inversem Flügelspieler. Diese Seite geht weiter: warum Trainer die Füße tauschen, was die Rolle um sich herum braucht und was sie kostet.
| Auf einen Blick | Inverser Flügelspieler |
|---|---|
| Wo er spielt | Hoch auf dem Flügel, auf der Seite seines schwächeren Fußes |
| Hauptaufgabe | Vom Flügel nach innen ziehen, um im Halbraum zu schießen oder zu kombinieren |
| Ohne Ball | Läuft den Außenverteidiger an, stellt den Pass die Linie entlang zu, verfolgt Läufe |
| Typische Systeme | 4-3-3, 4-2-3-1, 3-4-3 |
| Rückennummer | Keine feste; Flügelspieler trugen traditionell die 7 und die 11 |
| Verwandte Rollen | Klassischer Flügelspieler, Innenstürmer, hinterlaufender Außenverteidiger |
| Bekannte Beispiele | Arjen Robben, Franck Ribéry, Lionel Messi (früh in Barcelona), Robert Pires |
Warum ein Trainer die Füße tauscht
Der klassische Flügelspieler spielt auf der Seite seines starken Fußes. Laut Wikipedia ist es die Hauptaufgabe der Außenpositionen, die Abwehr durch Flankenläufe zu überwinden und den Ball von der Seitenlinie vor das Tor zu bringen. Für einen Spieler, der zur Grundlinie will, ist das die logische Aufstellung.
Dreht man ihn um, ändert sich die Geometrie. Ein Linksfuß, der von rechts kommt, hat den Ball am starken Fuß, vom Verteidiger weg und mit Blick aufs Tor. Er kann ihn ins lange Eck drehen, ein Abschluss, der einem Rechtsfuß von derselben Seite viel schwerer fällt. Eine Flanke aus diesem Winkel wird außerdem zum Tor hin gezogen, sodass schon eine leichte Berührung reicht.
Spielverlagerung.de nennt den Grund für die Entdeckung dieser Spielertypen: die Enge im Zentrum. Der Scouting-Dienst Hudl StatsBomb beschreibt das Ziel ähnlich: Der inverse Flügelspieler oder Innenstürmer soll im Zentrum eine numerische Überlegenheit schaffen. Dazu kommt ein Platzproblem auf der Seite. Schieben die Außenverteidiger hoch, wollen klassischer Flügelspieler und Außenverteidiger denselben Streifen Rasen. Geht der Flügelspieler nach innen, hat der Außenverteidiger die Linie für sich.
Was er mit Ball macht
Sein erstes Ziel ist der Halbraum, die senkrechte Zone zwischen Flügel und Zentrum. Hudl StatsBomb nennt den Halbraum ausdrücklich als die Zone, die ein inverser Flügelspieler besetzen sollte. Von dort hat er vier Wege:
- Schießen: der gezirkelte Schuss ins lange Eck von der Strafraumgrenze, die Bewegung, die man mit der Rolle verbindet.
- Durchstecken: ein Pass zwischen Innen- und Außenverteidiger auf den Mittelstürmer oder einen nachrückenden Mittelfeldspieler, oft in die Zone 14.
- Kombinieren: ein Doppelpass mit dem Mittelstürmer oder dem Achter auf seiner Seite.
- Den Außenverteidiger schicken: Folgt ihm der gegnerische Außenverteidiger nach innen, ist der eigene Außenverteidiger außen frei.
Spielverlagerung.de warnt vor der Kehrseite: Das Muster kann selbst bei starken Einzelspielern durchschaubar werden. Manche Spieler sind deshalb wirksamer, wenn sie richtigfüßig aufgestellt sind und zwischen klassischem und inversem Spiel wechseln. Die besten halten den Weg nach außen offen, denn ohne diese Drohung kann der Verteidiger ihn einfach nach innen lenken und warten.
Was er ohne Ball macht
Er läuft den gegnerischen Außenverteidiger an, stellt den Pass die Linie entlang zu und verfolgt Läufe, wie jeder moderne Flügelspieler. Der Unterschied liegt in der Position. Er beendet Angriffe in engen Räumen, also ist er bei Ballverlust oft nah am Ball, was einer Mannschaft im Gegenpressing hilft. Die Seite hinter ihm überlässt er seinem Außenverteidiger, der einen weiten Rückweg hat.
Die Partnerschaft mit dem Außenverteidiger
Ein inverser Flügelspieler funktioniert nur, wenn jemand anderes die Breite gibt, meist der Außenverteidiger hinter ihm. Zieht der Flügelspieler nach innen, wird die Linie frei, und der Außenverteidiger hinterläuft. Dann hat der gegnerische Außenverteidiger zwei Gegenspieler, eine klassische Überzahl.
Die Breite kann auch von anderen kommen. Ein inverser Außenverteidiger, der selbst nach innen rückt, passt nur, wenn ein Achter oder der Flügelspieler die Linie hält. In einer Dreierkette übernimmt der Flügelverteidiger die ganze Außenbahn; der Vergleich Flügelverteidiger und Außenverteidiger erklärt, was jeder von beiden verteidigt.
Systeme
- 4-3-3: die natürliche Heimat. Die beiden Außenstürmer sind invers, die Außenverteidiger geben die Breite. Die Grafik oben zeigt den rechten Flügelspieler, der diagonal Richtung Strafraumgrenze zieht. Siehe das 4-3-3 im Formationswerkzeug.
- 4-2-3-1: Die äußeren Spieler der Dreierreihe hinter der Spitze können invers spielen und rücken dann neben den Zehner. Siehe das 4-2-3-1 im Formationswerkzeug.
- 3-4-3: Die Flügelverteidiger halten die Linie, was den beiden äußeren Angreifern im Prinzip erlaubt, enger zu spielen.
Beispiele
Arjen Robben ist das deutsche Lehrbuchbeispiel. Bei Real Madrid versetzte ihn Trainer Juande Ramos laut Wikipedia in der Saison 2008/09 von links nach rechts. Der Sprint an der Außenlinie und dann schräg zurück in den Strafraum zum Schuss mit links wurde sein Markenzeichen, und auf rechts traf er in jener Saison noch sechsmal. Bundesliga.com beschreibt den Ablauf bei Bayern: Gegenspieler mit einer Körpertäuschung verladen, parallel zum Tor nach innen dribbeln, abschließen, meist ins linke obere Eck. Jeder wusste, was kommt, verteidigen konnte es trotzdem kaum jemand. In der Bundesliga kam er auf 99 Tore und 70 Vorlagen.
Franck Ribéry war das Gegenstück auf links. Echo24 beschreibt das Duo: Ribéry als Rechtsfuß auf der linken Außenbahn, Robben als Linksfuß auf rechts, und genau diese Umkehrung machte „Robbéry“ so gefährlich. Ihr erstes gemeinsames Spiel war das 3:0 gegen den VfL Wolfsburg am 29. August 2009, bei dem Ribéry beide Tore Robbens vorbereitete. Im Champions-League-Finale 2013 in Wembley legte Ribéry in der 89. Minute für Robben ab, der zum 2:1 gegen Dortmund traf.
Spielverlagerung.de nennt außerdem Robert Pires, Ronaldinho und Lionel Messi als Spieler, die die Vorzüge der Rolle in den 2000er-Jahren zeigten.
Wie er sich von Nachbarrollen unterscheidet
- Klassischer Flügelspieler: gleiche Startposition, anderer Fuß. Er geht nach außen, flankt von der Grundlinie und zieht den Außenverteidiger breit.
- Innenstürmer: Hudl StatsBomb nutzt das Wort als Synonym. Es betont, wie er angreift, nämlich wie ein Stürmer Richtung Tor, nicht welcher Fuß stark ist. Spielverlagerung.de hält fest, dass auch richtigfüßige Spieler so spielen können.
- Falsche Neun: kommt aus dem Zentrum ins Mittelfeld; der inverse Flügelspieler kommt von der Seite nach innen.
So erkennt man ihn im Spiel
Man achtet auf seine erste Ballannahme am Flügel. Geht sie nach innen, auf den Fuß weiter weg von der Seitenlinie, spielt er invers. Dann prüft man drei Dinge. Hinterläuft der Außenverteidiger hinter ihm, wenn er einrückt? Lenkt der gegnerische Außenverteidiger ihn nach außen auf den schwachen Fuß? Und kommt er bei Flanken von der anderen Seite am langen Pfosten an?
Wann ein Trainer ihn wählt
Wenn die Mannschaft Tore von ihren Außenspielern will und Außenverteidiger hat, die angreifen können. Wenn der Gegner im tiefen Abwehrblock steht und Flanken in einen vollen Strafraum wenig versprechen. Wenn der Mittelstürmer sich fallen lässt und jemand den Raum füllen muss. Weniger passt die Rolle zu einem Zielspieler, der frühe Flanken will. Ohne offensive Außenverteidiger fehlt die Breite, und der Angriff wird eng und berechenbar. Gegen einen Außenverteidiger, der ihn konsequent nach außen zwingt, verschwindet ein inverser Flügelspieler ohne brauchbaren schwachen Fuß.
Was ist ein inverser Flügelspieler?
Ein inverser Flügelspieler spielt auf der Seite seines schwächeren Fußes, also ein Linksfuß rechts oder ein Rechtsfuß links. Statt an der Grundlinie zu flanken, zieht er nach innen und schießt oder passt mit dem starken Fuß.
Was ist der Unterschied zwischen inversem und klassischem Flügelspieler?
Der klassische Flügelspieler spielt auf der Seite seines starken Fußes und geht nach außen, um zu flanken. Der inverse spielt auf der anderen Seite und zieht nach innen, um mit dem starken Fuß zu schießen oder zu passen. Beide starten breit, beenden ihre Angriffe aber an verschiedenen Orten.
Warum spielen Mannschaften mit inversen Flügelspielern?
Das Einrücken bringt den Ball auf den starken Fuß und Richtung Tor, also wird der Flügelspieler zum Torschützen und nicht nur zum Vorbereiter. Es schafft Überzahl im Zentrum und macht die Linie frei für den hinterlaufenden Außenverteidiger. Der Preis: Jemand anderes muss für die Breite sorgen.
War Arjen Robben ein inverser Flügelspieler?
Ja, er ist das bekannteste Beispiel. Der Linksfuß spielte bei Bayern rechts, zog nach innen und schloss mit links ab, ein Ablauf, den jeder kannte und kaum jemand verteidigen konnte. Mit dem Rechtsfuß Ribéry auf links bildete er „Robbéry“.
Quellen und weiterführende Informationen
- Stürmer: Inverted Winger — Spielverlagerung
- Arjen Robben — Wikipedia (de)
- 60 Jahre Bundesliga: die besten Mittelfeldspieler, Arjen Robben — Bundesliga
- Robbéry für die Geschichte: Wie Ribéry und Robben den FC Bayern neu erfanden — echo24
- Moderne Scouting-Workflows: 4 Spieler-Typen für das Scouting mit Daten und Video — Hudl StatsBomb