Formationen und Rollen · Analyse

Sechser: der defensive Mittelfeldspieler vor der Abwehr

Was macht ein Sechser? Aufgaben mit und ohne Ball, Abräumer und Holding Six, deutsche Beispiele von Jeremies bis Kimmich und woran man ihn im Spiel erkennt.

Ein Fußballfeld mit einer Mannschaft im 4-3-3; der Sechser ist rot hervorgehoben, und der Raum vor der Abwehr, den er abdeckt, ist schattiert.
Bild: Touchline Notes

Der Sechser ist der defensive zentrale Mittelfeldspieler, der direkt vor der Abwehr spielt. Er schützt die Innenverteidiger gegen den Ball und ist im Ballbesitz ihre sichere Anspielstation.

Den Namen hat er von der Rückennummer 6, die Spieler auf dieser Position lange überwiegend trugen. Heute ist die Nummer frei wählbar, das Wort ist geblieben. Wer in Deutschland vom Sechser spricht, meint nicht ein Trikot, sondern einen Raum: den Streifen zwischen Abwehrkette und Mittelfeld, durch den fast jeder gefährliche Angriff durch die Mitte laufen muss. Einen Überblick über alle Nummern gibt die Seite zu den Positionen im Fußball.

Was ein Sechser ohne Ball macht

Gegen den Ball hat der Sechser drei Aufgaben. Er schließt Passwege, damit der Gegner nicht direkt in die Spitze oder in die Zone 14 vor dem Strafraum spielen kann. Er sichert ab, wenn ein Innenverteidiger herausrückt oder ein Außenverteidiger vorn hängen bleibt. Und er erobert Bälle, durch Zweikämpfe, Abfangen oder einfach dadurch, dass er bei zweiten Bällen zuerst da ist.

Dazu kommt eine Aufgabe, die in keiner Statistik steht: das Ordnen. Der Sechser hält die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld kurz und gibt oft die Kommandos zum Vorschieben und Anlaufen. Ein guter Sechser steht richtig, bevor der Pass gespielt wird: Er schließt die Lücke, statt ihr hinterherzulaufen.

Was ein Sechser mit Ball macht

Mit Ball soll der Sechser das Spiel am Laufen halten. Er lässt sich von den Innenverteidigern anspielen, dreht auf oder legt direkt ab und verlagert, wenn eine Seite zugestellt ist. Im Spielaufbau ist er deshalb der Spieler, um den herum der Gegner sein Pressing plant. Ein Ballverlust in seiner Zone ist besonders teuer, weil hinter ihm nur noch die Abwehr steht.

Viele Sechser lassen sich im Aufbau zwischen die Innenverteidiger fallen. Das nennt man den abkippenden Sechser. Die Mannschaft baut dann mit drei Spielern hinten auf, die Außenverteidiger können hoch schieben, und zwei gegnerische Stürmer haben drei Gegenspieler vor sich. Manche Trainer erreichen dieselbe Staffelung anders: Der Sechser bleibt, und ein inverser Außenverteidiger rückt neben ihn ins Zentrum.

Sechser, Abräumer, Staubsauger, Holding Six

Das Deutsche hat für diese Position mehr Wörter als die meisten Fußballsprachen. „Sechser“ ist der Oberbegriff, „defensiver Mittelfeldspieler“ die neutrale Beschreibung. „Abräumer“ und „Staubsauger“ beschreiben den Balleroberer, der vor der Abwehr alles abfängt. „Ballverteiler“ steht für die andere Seite der Aufgabe.

Neu im deutschen Vokabular ist die „Holding Six“, im Wörterbuch DWDS als Femininum geführt: die Holding Six. Gemeint ist ein Sechser, der seine Position hält, statt mit nach vorn zu gehen. Breit diskutiert wurde der Begriff im Sommer 2023 beim FC Bayern. Thomas Tuchel sagte damals, sein Kader habe drei ähnliche, bewegliche Sechser, die gern box-to-box spielten. Gemeint waren Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Konrad Laimer. Gesucht wurde ein Spieler, der vor der Abwehr stehen bleibt.

Spielen zwei Sechser nebeneinander, heißt das Doppelsechs. Ist der tiefste Mittelfeldspieler vor allem Taktgeber, verwendet man oft das italienische Wort Regista oder spricht vom tiefen Spielmacher.

Drei Typen von Sechsern

Der Abräumer gewinnt Bälle und gibt sie einfach weiter. Jens Jeremies ist das deutsche Muster dieses Typs. Er spielte für Dynamo Dresden, 1860 München und von 1998 bis 2006 für den FC Bayern, mit dem er 2001 die Champions League gewann. Im Halbfinale gegen Real Madrid erzielte er zwölf Tage nach einer Knieoperation das Siegtor zum 2:1. International gelten Claude Makélélé und Casemiro als Vorbilder dieses Typs.

Der Ballverteiler kontrolliert das Tempo und verlagert das Spiel. Die deutsche Wikipedia zählt Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger zu den tiefen Spielmachern, in einer Reihe mit Andrea Pirlo und Xabi Alonso. Kroos wurde bei der WM 2014 von brasilianischen Medien „Garçon“ genannt, der Kellner, weil er die Pässe aus dem Mittelfeld so präzise verteilte. Sergio Busquets ist die positionelle Variante: Er verteidigte vor allem, indem er schon richtig stand.

Der Allrounder arbeitet in beide Richtungen und trägt den Ball selbst nach vorn. Schweinsteiger kam vom Flügel; Louis van Gaal setzte ihn in der Saison 2009/10 erstmals dauerhaft im zentralen defensiven Mittelfeld ein. Im WM-Finale 2014 gegen Argentinien spielte er die vollen 120 Minuten. Joshua Kimmich ging einen ähnlich langen Weg, nur von hinten: Unter Niko Kovač spielte er meist Rechtsverteidiger, aber immer öfter auf der Sechs, unter Hansi Flick dann überwiegend im defensiven Mittelfeld.

Reine Typen sind selten. Deshalb kombinieren Trainer gern einen Abräumer mit einem Ballverteiler, besonders in der Doppelsechs.

Wie Deutschland zum Sechser kam

Im deutschen Fußball stand vor der Abwehr lange kein Sechser im heutigen Sinn. Hinter den Manndeckern räumte der Libero auf, vor ihnen nahm der Vorstopper den gegnerischen Mittelstürmer in Manndeckung. Erst mit der Viererkette in den 1990er-Jahren brauchte die Mannschaft einen Spieler, der den Raum vor den Innenverteidigern schützt. Laut Süddeutscher Zeitung galt Deutschland 1998 noch als Land der Liberos und Vorstopper.

Einem großen Publikum erklärte Jürgen Klopp als TV-Experte bei der WM 2006 Begriffe wie „Doppel-Sechs“ und „flache Vier“. Danach verschob sich das Bild: vom Abräumer zur Schaltstelle, wie das Fußballmagazin RUND den Wandel beschreibt. Der Sechser sollte nicht mehr nur zerstören, sondern das Spiel von hinten lenken. Die Debatte um die Holding Six zeigt, dass der reine Absicherer trotzdem nicht verschwunden ist.

Der Sechser im Spielsystem

Im 4-3-3 spielt meist ein einzelner Sechser an der Basis eines Dreiermittelfelds. Vor ihm laufen und pressen zwei Achter, dafür muss er nach Ballverlust die ganze Breite allein verteidigen. Im 4-2-3-1 stehen zwei Sechser nebeneinander. Das schützt die Abwehr besser und erlaubt einem der beiden, vorzurücken, während der andere bleibt. Viele Mannschaften wechseln im Spiel zwischen beiden Formen: zwei Sechser gegen den Ball, einer mit Ball.

Auch in der Restverteidigung ist der Sechser zentral. Bleibt er hinter dem Ball, steht bei einem Ballverlust schon ein Spieler vor den Innenverteidigern.

Woran man den Sechser im Spiel erkennt

Am besten schaut man hin, wenn der Torwart oder ein Innenverteidiger den Ball hat. Der Sechser ist der Spieler, der sich in der Mitte anbietet, oft mit dem Rücken zum gegnerischen Tor. Dann lohnt der Blick auf den Moment des Ballverlusts: Er ist der Mittelfeldspieler, der nicht nach vorn läuft, sondern stehen bleibt und die Mitte schließt.

Daten helfen dabei. Ballgewinne zeigen sich in Pressing-Aktionen und Ballgewinnen, das Aufbauspiel in progressiven Pässen und im Passnetzwerk, wo ein guter Sechser meist im Zentrum mit den dicksten Verbindungen steht. Was die Zahlen nicht zeigen, ist der Pass, den er verhindert hat, weil er schon im Passweg stand.

Was ist ein Sechser im Fußball?

Der Sechser ist der defensive zentrale Mittelfeldspieler direkt vor der Abwehr. Er schließt Passwege, erobert Bälle und leitet den Spielaufbau ein. Der Name stammt von der Rückennummer 6, die diese Spieler früher meist trugen.

Was ist eine Holding Six?

Eine Holding Six ist ein Sechser, der seine Position vor der Abwehr hält, statt mit nach vorn zu gehen. Der Begriff wurde 2023 beim FC Bayern breit diskutiert, als Thomas Tuchel einen solchen Spieler suchte.

Was ist der Unterschied zwischen Sechser und Achter?

Der Sechser sichert vor der Abwehr ab und bleibt meist hinter dem Ball. Der Achter steht höher, verbindet Abwehr und Angriff und läuft auch in den gegnerischen Strafraum. Im 4-3-3 spielt ein Sechser mit zwei Achtern vor sich.

Was ist ein abkippender Sechser?

Ein abkippender Sechser lässt sich im Spielaufbau zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen. So baut die Mannschaft mit drei Spielern hinten auf, und die Außenverteidiger können höher schieben.

Erkunde diese Position auf der Taktiktafel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Mittelfeldspieler — Wikipedia (de)
  2. Jens Jeremies — Wikipedia (de)
  3. Bastian Schweinsteiger — Wikipedia (de)
  4. Vom Abräumer zur Schaltstelle — RUND
  5. FC Bayern: Thomas Tuchel sucht eine „Holding Six“ — t-online