Formationen und Rollen · Analyse
Mezzala und Trequartista: der breite Achter und der klassische Zehner
Die Mezzala ist ein Achter, der in den Halbraum startet, der Trequartista ein Zehner hinter den Spitzen. Mit Vergleichstabelle, Grafik und Beispielen.
Die Mezzala ist ein äußerer Achter im Dreiermittelfeld, der aus der Mittelfeldreihe schräg nach vorn in den Halbraum startet. Der Trequartista ist ein Zehner, der hinter den Spitzen beginnt und dort auf den Ball wartet, um den letzten Pass zu spielen.
Beide Wörter sind italienisch, und beide beschreiben einen kreativen Mittelfeldspieler. Deshalb werden sie im Deutschen oft verwechselt, zumal sie vielen Lesern zuerst im Football Manager begegnen. Auf dem Platz beginnen die beiden Rollen aber an verschiedenen Orten, bewegen sich in verschiedene Richtungen und haben sehr unterschiedliche Aufgaben gegen den Ball. Im deutschen Fußballvokabular entspricht die Mezzala einem bestimmten Achter, der Trequartista dem klassischen Zehner.
| Mezzala | Trequartista | |
|---|---|---|
| Ausgangsposition | Seitlich im Dreiermittelfeld, neben einem Sechser | Zentral, zwischen Mittelfeld und Sturm |
| Hauptbewegung | Diagonal nach vorn Richtung Flügel | Wenig, er steht schon dort, wo der Ball ankommen soll |
| Hauptaufgabe | Ball tragen, in Halbraum und Schnittstelle laufen | Zwischen den Linien annehmen und den letzten Pass spielen |
| Gegen den Ball | Presst und läuft zurück in die Mittelfeldreihe | Klassisch wenig, der moderne Zehner presst oder schirmt den Sechser ab |
| Typische Systeme | 4-3-3, 3-5-2 | 4-4-2 mit Raute (4-3-1-2) |
| Deutsche Entsprechung | Achter | Zehner, Spielmacher |
| Bekanntes Beispiel | Kevin De Bruyne bei Pep Guardiola | Kaká in Carlo Ancelottis Milan |
Woher die beiden Begriffe kommen
Mezzala heißt „halber Flügel“. Coaches’ Voice leitet das Wort aus dem WM-System der 1930er-Jahre ab. Die italienische Wikipedia beschreibt die Mezzala als früheren Innenstürmer, der in den alten Systemen im Fünfer-Angriff neben dem Mittelstürmer stand, und betont ihre doppelte Aufgabe: Ballgewinn und Vorwärtsdrang. Im deutschen WM-System hießen diese Spieler Halbstürmer. Als der Fünfer-Angriff verschwand, wanderte das italienische Wort ins Mittelfeld und blieb am äußeren Mittelfeldspieler eines Dreiermittelfelds hängen. Mehr zur Geschichte steht im Artikel über die Mezzala.
Trequartista heißt „Dreiviertelspieler“. Er spielt im letzten Viertel des Feldes, hinter den Spitzen. Die italienische Wikipedia nennt ihn einen Mittelfeldspieler mit ausgeprägt offensiver Haltung, der Tore vorbereitet und selbst abschließt und oft Standards schießt. Die deutsche Wikipedia ordnet den Trequartista als zentralen, offensiven Spielmacher ein und nennt Ronaldinho, Mesut Özil, Zinedine Zidane und Francesco Totti. Im Deutschen heißt dieser Spieler schlicht Zehner, nach der Rückennummer.
Die Begriffe haben also verschiedene Geschichten. Die Mezzala ist eine Angriffsposition der 1930er, die zur Mittelfeldrolle wurde. Der Trequartista bezeichnet seit jeher einen Ort: den Raum hinter den Stürmern.
Mit Ball
Der Wert der Mezzala liegt in der Bewegung. Coaches’ Voice nennt vertikale Pässe, Läufe hinter die Angreifer, Tiefenläufe in die Lücke zwischen Innen- und Außenverteidiger und kraftvolle Dribblings durchs Mittelfeld. Dazu kommen gefährliche Flanken, wenn sie nach außen ausweicht. Sie nimmt den Ball im Halbraum halb aufgedreht an, kombiniert mit dem Flügelspieler oder Flügelverteidiger außen und kommt spät in den Strafraum. Weil sie aus dem Mittelfeld startet, muss der gegnerische Mittelfeldspieler entscheiden, ob er mitgeht. Genau dieses Zögern ist der Zweck.
Der Wert des Trequartista liegt in der Position. Er steht bereits zwischen den gegnerischen Linien, oft rund um die Zone 14, und die Mannschaft sucht ihn mit einem einzigen Pass vom Sechser oder von den Innenverteidigern. Dann dreht er auf, spielt den Steckpass, den Doppelpass mit dem Stürmer oder schießt selbst. Seine Aufgabe ist es, gefunden zu werden, nicht an Gegnern vorbeizulaufen. Der Football Manager beschreibt die Rolle passend: Der Trequartista erhält dort die größte Freiheit, um ständig Räume zu finden.
Gegen den Ball
Hier trennen sich die Rollen wirklich. Die Mezzala ist zuerst Mittelfeldspieler. Laut Coaches’ Voice presst sie hinter einem einzelnen Stürmer oft mit ihm zusammen, schirmt zentrale Passwege ab und sprintet zurück, wenn der Gegner an ihr vorbeispielt. Ausdauer und kurze, schnelle Pendelläufe gehören zum Profil. Verliert die Mannschaft den Ball, muss sie wieder in der Dreierreihe stehen, sonst steht der Sechser allein.
Der klassische Trequartista machte davon deutlich weniger. Mannschaften waren oft so gebaut, dass ihr Zehner frei bleiben durfte. Die deutsche Wikipedia hält fest, dass viele Mannschaften heute mehrere kreative Mittelfeldspieler statt eines festen Spielmachers einsetzen. Der moderne Zehner bekommt deshalb meist einen klaren Auftrag: neben die Spitze rücken und pressen, oder etwas tiefer bleiben und den gegnerischen Sechser abschirmen. Den Großteil der Absicherung übernehmen die Mittelfeldspieler hinter ihm.
Welche Systeme welche Rolle nutzen
Die Mezzala braucht ein Dreiermittelfeld mit einem Sechser. Im 4-3-3 sind die beiden äußeren Mittelfeldspieler die Mezzalas, mit dem Flügelstürmer außen und dem Außenverteidiger dahinter. Im 3-5-2 spielen sie neben einem Regista und bilden mit Flügelverteidiger und seitlichem Innenverteidiger ein Dreieck. Coaches’ Voice nennt Sergej Milinković-Savić bei Lazio als Beispiel aus einem 3-5-2. Beide Grundordnungen lassen sich auf den Formationsseiten zum 4-3-3 und zum 3-5-2 mit Nummern nachvollziehen.
Der Trequartista braucht zwei Stürmer vor sich und genug Mittelfeldspieler hinter sich. Sein klassisches Zuhause ist das 4-4-2 mit Raute, auch 4-3-1-2 oder 4-1-2-1-2 geschrieben, eine Variante des 4-4-2. Die deutsche Wikipedia beschreibt die Mittelfeldraute über ihren zentralen Spieler, der das Spiel in der Offensive aufbauen soll. Auch ein 4-2-3-1 hat einen zentralen Zehner, meist aber einen, der mehr gegen den Ball arbeitet.
Die Überschneidung ist auffällig. Die beiden Halbpositionen der Raute sind oft Mezzalas, ohne so zu heißen. Eine Mannschaft kann also beide Rollen gleichzeitig aufbieten.
Beispiele
Für die Mezzala nennt Coaches’ Voice Kevin De Bruyne bei Manchester City, Ángel Di María bei Real Madrid, Milinković-Savić bei Lazio und Paul Pogba bei Juventus, dazu Andrés Iniesta, Luka Modrić und Bernardo Silva. Auch Julian Draxler bei Paris Saint-Germain steht auf der Liste.
Für den Trequartista ist Ancelottis AC Mailand von 2003 das sauberste Beispiel. Laut englischer Wikipedia erlaubte die Raute, Andrea Pirlo an der Basis spielen zu lassen, während Rui Costa und später Kaká an der Spitze standen. Das deutsche Beispiel ist Mesut Özil, den die deutsche Wikipedia ausdrücklich als Trequartista führt.
Woran man sie im Spiel unterscheidet
Zuerst lohnt der Blick auf die Grundordnung beim Anstoß. Steht der Spieler in einer Dreierreihe im Mittelfeld, kommt er als Mezzala in Frage. Steht er allein zwischen Mittelfeld und zwei Stürmern, ist er der Trequartista.
Dann zählt der Ort der Ballannahme. Die Mezzala bekommt den Ball nach einem Lauf, meist seitlich vom Zentrum und in Bewegung Richtung Grundlinie. Der Trequartista bekommt ihn im Stehen zwischen den Linien, mit dem Rücken zum Tor oder halb aufgedreht, in der Mitte.
Zuletzt hilft der Moment des Ballverlusts. Die Mezzala dreht um und sprintet zurück in die Mittelfeldreihe. Der Trequartista bleibt meist höher, presst mit den Stürmern oder übernimmt den gegnerischen Sechser, und die Spieler hinter ihm schließen die Lücke.
Wann ein Trainer welche Rolle wählt
Eine Mezzala passt, wenn ein Trainer ein Dreiermittelfeld für Kontrolle und Pressing will, Außenspieler hat, die einen Läufer innen neben sich brauchen, und Torgefahr aus der Tiefe sucht, die schwer zu übernehmen ist. Der Preis ist der Raum hinter ihr. Er verlangt viel vom Sechser und von der Restverteidigung.
Ein Trequartista passt, wenn zwei Stürmer versorgt werden sollen und ein Spieler da ist, der zwischen den Linien gefunden werden will. Der Preis ist die Breite: Eine Raute hat keine natürlichen Außenspieler, also müssen die Außenverteidiger sie liefern. Manche Mannschaften wählen einen Mittelweg und lassen eine Mezzala in den Zehnerraum einrücken oder eine falsche Neun aus der Spitze dorthin fallen.
Ist eine Mezzala dasselbe wie ein Trequartista?
Nein. Die Mezzala ist ein äußerer Achter im Dreiermittelfeld, der nach vorn in den Halbraum läuft und danach in die Mittelfeldreihe zurück muss. Der Trequartista ist ein Zehner, der hinter den Spitzen beginnt und weniger Defensivaufgaben hat.
Was bedeutet Trequartista auf Deutsch?
Wörtlich „Dreiviertelspieler“. Gemeint ist ein kreativer Spieler hinter den Stürmern, im letzten Teil des Feldes, der Tore vorbereitet und selbst schießt. Im Deutschen heißt er Zehner oder Spielmacher.
In welchem System spielt ein Trequartista?
Das klassische System ist das 4-4-2 mit Raute, auch 4-3-1-2 geschrieben. Zwei Stürmer spielen vor ihm, und eine Reihe von Mittelfeldspielern hinter ihm übernimmt die Defensivarbeit.
Kann ein Spieler Mezzala und Trequartista zugleich sein?
Manche Spieler haben beide Aufgaben zu verschiedenen Zeiten erfüllt, weil sich die Fähigkeiten überschneiden: Passspiel, Dribbling und das Ankommen im Strafraum. Der Unterschied liegt in Ausgangsposition und Defensivarbeit. Ein Trainer verlangt deshalb normalerweise eine Rolle auf einmal.
Quellen und weiterführende Informationen
- What is a mezzala? Explained: De Bruyne, Di María, Pogba — Coaches' Voice
- Centrocampista — Wikipedia (Italienisch)
- Spielmacher — Wikipedia
- Spielsystem (Fußball) — Wikipedia
- Formation (association football) — Wikipedia (Englisch)