Formationen und Rollen · Analyse
Zielspieler: der Stürmer, auf den der lange Ball zielt
Ein Zielspieler ist ein großer, kräftiger Mittelstürmer, der lange Bälle gewinnt, festmacht und ablegt. Mit Tabelle, 4-4-2-Grafik, Beispielen und Spieltipps.
Ein Zielspieler ist ein Mittelstürmer, meist groß und körperlich stark, dessen Hauptaufgabe es ist, hohe und lange Bälle zu gewinnen, festzumachen und auf Mitspieler abzulegen. Er ist der Bezugspunkt, auf den die Mannschaft zielt, wenn sie schnell nach vorn spielt.
Im Deutschen steht er dem Wandspieler sehr nahe. Spielverlagerung.de beschreibt den Wandspieler als Stürmer, der Bälle für nachrückende Mitspieler hält und ablegt, und nennt ihn „bei vornehmlich hohen Bällen auch Zielspieler“. Der Zielspieler ist also die Variante für das lange Spiel. Er ist einer der Typen des Mittelstürmers, der Position, die die Übersicht der Positionen im Fußball ganz vorn einordnet.
Der Zielspieler auf einen Blick
| Wo er spielt | Mittelstürmer, auf der letzten Linie zwischen oder vor den Innenverteidigern |
| Hauptaufgabe | Lange und hohe Bälle gewinnen, festmachen, ablegen oder weiterleiten |
| Ohne Ball | Stellt Passwege ins Mittelfeld zu, läuft Innenverteidiger an, verteidigt bei Standards |
| Typische Systeme | 4-4-2, 3-5-2, als einzige Spitze auch im 4-2-3-1 |
| Rückennummer | Traditionell die 9, aus Gewohnheit, nicht nach Regel |
| Verwandte Rollen | Wandspieler, Strafraumstürmer, falsche Neun, hängende Spitze |
| Bekannte Beispiele | Horst Hrubesch, Niclas Füllkrug, Olivier Giroud |
Was der Zielspieler mit Ball macht
Viele seiner Ballkontakte kommen aus der Luft, mit dem Rücken zum Tor und einem Innenverteidiger im Rücken. Das typische Muster: Der Torwart schlägt ab oder ein Verteidiger spielt lang, der Zielspieler behauptet den Ball und gibt seinen Mitspielern Zeit aufzurücken. Damit ist er das Herzstück eines direkten Spielaufbaus, der das Mittelfeld überspringt, wenn flaches Spiel gegen ein Pressing zu riskant ist.
Danach hat er drei Möglichkeiten. Er legt auf einen Mittelfeldspieler ab, der mit Blick nach vorn kommt. Er verlängert den Ball per Kopf in den Lauf seines Sturmpartners. Oder er dreht sich und schließt selbst ab. Im Deutschen heißt das alles „Bälle festmachen“. Rudi Völler nutzte das Wort bei der EM 2024, als er Kai Havertz lobte: so wie er „die Bälle festmacht, weite Wege geht, kopfballstark ist“.
Er ist auch das Ziel für Flanken. Eine Mannschaft mit einem kopfballstarken Stürmer im Strafraum holt mehr aus ihren Außenspielern heraus. Deshalb gehören der klassische Flügelspieler und der Zielspieler zu den bekanntesten Paaren im Fußball, wie der Artikel über den Flügelspieler zeigt.
Was er ohne Ball macht
Wie jeder Stürmer ist er der erste Verteidiger. In einer Doppelspitze stellen die beiden Angreifer Passwege ins Mittelfeld zu und laufen die Innenverteidiger an, einer presst, der andere sichert ab. Ein Zielspieler ist selten der schnellste Anläufer, also geht es bei ihm eher um zugestellte Winkel als um lange Sprints.
Er gibt seiner Mannschaft außerdem einen Ausweg unter Druck. Eine Elf, die in der eigenen Hälfte eingeschnürt ist oder im tiefen Abwehrblock verteidigt, kann den Ball zu ihm schlagen statt nur weg. Gewinnt er das Kopfballduell, wird aus dem Befreiungsschlag der Beginn eines Konters, ein Fall für den Konterfußball.
Systeme mit Zielspieler
Seine natürliche Heimat ist das 4-4-2. Die beiden Stürmer teilen sich die Arbeit: Einer bleibt hoch und gewinnt den Ball, der andere spielt um ihn herum, nimmt Verlängerungen und Ablagen auf oder läuft in die Tiefe. Die äußeren Mittelfeldspieler halten die Breite und flanken. Die Grafik oben zeigt das Muster: ein langer Ball vom Torwart auf den Zielspieler und seine Kopfballverlängerung zum Partner. Im 4-4-2 im Formationswerkzeug sieht man, wie die beiden Viererketten hinter dem Sturmduo stehen.
Auch das 3-5-2 spielt mit zwei Stürmern. Hier liefern die Flügelverteidiger die Flanken, und der Zielspieler kann sie von beiden Seiten erwarten. Das 3-5-2 im Formationswerkzeug zeigt die Grundordnung.
Ein einzelner Zielspieler im 4-2-3-1 hat es schwerer. Neben ihm steht niemand, der die Verlängerung aufnimmt, also müssen der Zehner und die Flügelspieler schnell nachrücken.
Beispiele
Horst Hrubesch ist das deutsche Urbild. Viele seiner Tore aus dem Spiel erzielte er per Kopf, daher sein Spitzname „Kopfballungeheuer“. Beim Hamburger SV profitierte er vor allem von den Bananenflanken von Manfred Kaltz. Laut Wikipedia fasste er das Rezept in einem Fernsehinterview mit „Manni Banane, ich Birne“ zusammen. Im EM-Finale 1980 gegen Belgien schoss er beide Tore zum 2:1, seine ersten Länderspieltore. Im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich legte er per Kopf für Klaus Fischers Fallrückzieher zum 3:3 auf.
Niclas Füllkrug brachte bei der WM 2022 laut bundesliga.com mit seiner Kopfballstärke eine weitere Facette in das deutsche Angriffsspiel. Bei der EM 2024 war er Joker hinter Kai Havertz. Sein 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz war nach Angaben von SPORT1 sein 13. Tor im 19. Länderspiel.
Olivier Giroud bei der WM 2018 zeigt den Wert der Rolle am deutlichsten. Laut Wikipedia spielte er alle sieben Partien Frankreichs und gab bei 13 Schüssen keinen einzigen aufs Tor ab. Seine Präsenz und sein Ablagespiel wurden dafür gelobt, dass Antoine Griezmann und Kylian Mbappé je vier Tore erzielten. Frankreich wurde Weltmeister.
Wie er sich von Nachbarrollen unterscheidet
Ein Strafraumstürmer spielt ebenfalls auf der letzten Linie, berührt den Ball aber kaum außerhalb des Strafraums und hält ihn nicht fest. Sein Wert liegt im richtigen Moment, nicht im Gewinnen des ersten Balls.
Der Wandspieler ist der nächste Verwandte. Er macht auch flache Pässe fest, mit dem Rücken zum Tor. Der Zielspieler ist die Variante, deren Bälle vor allem von oben kommen.
Eine falsche Neun ist fast das Gegenteil. Sie verlässt die letzte Linie und holt sich den Ball im Mittelfeld, während der Zielspieler vorn bleibt und den Innenverteidigern einen Gegenspieler gibt. Der Vergleich falsche Neun und Mittelstürmer zeigt, was sich ändert, wenn eine Mannschaft von einem zum anderen wechselt.
So erkennt man einen Zielspieler im Spiel
Man achtet auf die Abstöße des Torwarts und die langen Bälle aus der Abwehr. Landen sie immer wieder beim selben Stürmer, und wechseln sich die Innenverteidiger im Duell mit ihm ab, ist er der Zielspieler. Dann lohnt der Blick darauf, was nach dem gewonnenen Ball passiert: eine Verlängerung in den freien Raum, ein Kopfball auf einen Mittelfeldspieler oder eine Ablage mit dem Rücken zum Tor. Sein Partner steht meist ein paar Meter entfernt, bereit für den zweiten Ball. Ein Stürmer, der viele Freistöße zieht, ist ein weiteres Zeichen, denn Zielspieler werden oft gefoult.
Wann ein Trainer einen Zielspieler wählt
Wenn die Mannschaft schnell nach vorn spielen will oder sich gegen ein Pressing nicht flach befreien kann. Wenn sie gute Flankengeber auf den Außenbahnen hat. Wenn sie einem Rückstand hinterherläuft und mehr Bälle in den Strafraum bringen will. Und wenn die schnellsten Spieler im Kader jemanden brauchen, der für sie ablegt, wie Frankreichs Angreifer 2018. Der Preis: Verliert er seine Duelle, gibt eine Mannschaft, die auf lange Bälle baut, den Ball immer wieder her.
Was ist ein Zielspieler im Fußball?
Ein Zielspieler ist ein meist großer, kräftiger Mittelstürmer, dessen Hauptaufgabe es ist, lange und hohe Bälle zu gewinnen, festzumachen und auf Mitspieler abzulegen oder weiterzuleiten. Er gibt der Mannschaft einen Bezugspunkt, wenn sie schnell nach vorn spielt.
Was ist der Unterschied zwischen Zielspieler und Wandspieler?
Beide machen Bälle mit dem Rücken zum Tor fest und legen sie ab. Spielverlagerung.de nennt den Wandspieler bei vor allem hohen Bällen auch Zielspieler. Der Zielspieler ist also die Variante für lange Bälle und Flanken.
Welches System passt zu einem Zielspieler?
Das 4-4-2 ist das klassische System, weil der zweite Stürmer um ihn herum spielt und seine Verlängerungen aufnimmt. Auch das 3-5-2 passt, mit Flanken der Flügelverteidiger. Im 4-2-3-1 kann er allein spielen, wenn das Mittelfeld schnell nachrückt.
Was macht einen guten Zielspieler aus?
Kraft gegen Innenverteidiger, Kopfballstärke, eine sichere erste Ballkontrolle mit dem Rücken zum Tor und der Blick für den freien Mitspieler. Tore helfen, aber ein großer Teil seines Werts steckt in den Toren, die er anderen ermöglicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Stürmer: Mittelstürmer — Spielverlagerung
- Horst Hrubesch — Wikipedia (de)
- Völler vergleicht Füllkrug mit Ikone — SPORT1
- Moderne Scouting-Workflows: 4 Spieler-Typen für das Scouting mit Daten und Video — Hudl StatsBomb
- Olivier Giroud — Wikipedia